person_outline
search
Sebastian Affeld

Sebastian Affeld

Teuer, teurer, 2022

das Leben ist teuer und wird auch immer teurer, wenn man den aktuellen Prognosen beziehungsweise Auswertungen Glauben schenkt. Mit 9,1% lagen in dieser Woche beispielsweise die Verbraucherpreise in den USA (im Vergleich zum Vorjahresmonat) nicht nur klar über den Erwartungen (8.8%), sondern auch auf dem höchsten Niveau seit 40 Jahren. Die US-Erzeugerpreise, die als eine Art Vorlaufindikator gelten, zogen im Juni sogar um 11,3% an, wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Die hohe Inflation ist aber nicht nur ein amerikanisch-europäisches Problem. Weltweit liegt die erwartete Inflationsrate für das Jahr 2022 im Schnitt bei 7,7%, wie dem gestern veröffentlichtem Economic Experts Survey (EES) vom ifo Institut und des Schweizer Instituts für Wirtschaftspolitik zu entnehmen war. Das wiederum ruft die Notenbanken auf den Plan:

Kein Grund zur Entspannung

Die Lage bleibt ernst und damit auch entsprechend angespannt. Denn die Hiobsbotschaften reißen einfach nicht ab. So gibt es beispielsweise keine Entwarnung beim Thema Gaslieferungen, das derzeit wohl größte Damoklesschwert, das über der deutschen Wirtschaft hängt. Schwer wiegt allerdings auch die allgegenwärtige Inflation, die nicht zuletzt aufgrund der brachial gestiegenen Gaspreise, siehe oben, auf den Unternehmen und den Verbrauchern lastet. Wobei vor allem Letztgenannte erst um den Jahreswechsel herum mit der vollen Härte des Preisanstiegs konfrontiert werden dürften – dann nämlich, wenn die Nachzahlungen für die Jahresabrechnungen ins Haus oder die Wohnung flattern. Bei den Erstgenannten hat sich allerdings jetzt schon eine echte Versorger-Lücke aufgetan:

Ab in den Süden

Es geht abwärts, und zwar schneller als noch vor einiger Zeit gedacht. So zum Beispiel bei den Konjunkturprognosen, die quasi laufend nach unten korrigiert werden. Während das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW im Februar noch ein Wirtschaftswachstum von +3% für das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2022 prognostizierte und die Bundesregierung im April einen Wert von +2,2% erwartete, rechnet das Institut für Wirtschaftsforschung Halle IWH im Juni mit einem BIP-Wachstum von nur noch 1,5%. Eine Übersicht über die „Prognosen zur Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts“ finden Sie unter anderem hier. Und während es für die Erwartungen beim Wirtschaftswachstum nach unten ging, begab sich auch die europäische Gemeinschaftswährung auf Talfahrt:

Gipfelzeit

Es ist mal wieder Gipfelzeit! Zum Beispiel in Brüssel, wo die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union seit dem gestrigen Donnerstag unter anderem darüber beraten haben, ob die Ukraine (und das kleine Nachbarland Moldau, ebenfalls ehemalige Sowjetrepublik) offiziell in den Kreis der EU-Beitrittskandidaten aufgenommen werden soll. Weiter geht es dann am Sonntag im äußerst malerisch gelegenen Schloss Elmau im schönen Wettersteingebirge, wo sich die G7-Vertreter erneut vor allem mit der Ukraine befassen werden. Aber auch Klimaschutz und Stärkung der Demokratien stehen auf der Agenda, weshalb die G7-Gäste inklusive Gastgeber Olaf Scholz kaum Gelegenheit haben dürfte, das „Luxury Spa Retreat & Cultural Hideaway“, so die Selbstbezeichnung, auch so richtig zu genießen. Ab Dienstag bildet das große NATO-Treffen in Madrid dann den Abschluss dieser Gipfel-Trilogie, bei dem es hauptsächlich um die Weigerung der Türkei in Sachen Norderweiterung (= Beitritt Schwedens und Finnlands) gehen soll. Und die Märkte?

Notenbanken unter Druck

Sie glauben ja gar nicht, welchen erleuchtenden Moment ich in dieser Woche hatte! NOT-enbanken! Es fiel mir plötzlich wie die berühmten Schuppen von den Augen, denn da ist ja das ganze aktuelle Dilemma schon im Namen enthalten! Schließlich stehen die Notenbanken derzeit maximal unter Druck, sind sozusagen in Not. Während die Inflationszahlen zügig nach Norden streben, geht es für die Aktienkurse konsequent nach Süden, und mittendrin versuchen die Währungshüter mit wachsender Verzweiflung, die Ausreißer wieder einzufangen. Dabei setzt die US-Notenbank Fed – deren Chef Jerome Powell gerade den ein oder anderen Fehler im Kampf gegen die Preissteigerungen einräumte – auf einen echten „Zinshammer“: 75 Basispunkte, eine solche Zinserhöhung gab es zuletzt 1994. Die Europäische Zentralbank, die kürzlich erst eine Leitzinsanhebung für Juli avisierte, sah sich sogar zu einer Sondersitzung gezwungen. Das heißt:

Belastungsfaktor

Was macht die wenig freudvolle Nachrichtenlage, die uns in dieser Woche beschäftigte? Sie belastet das Gemüt – und irgendwie dann auch die Aktienmärkte, die in den zurückliegenden Tagen jedenfalls keine Spur von Drang nach oben zeigen wollten. Stattdessen wurde konsolidiert, was zuvor hinzugewonnen wurde:

Die Bären sind los

Der Bär ist los! Allerdings nicht der Berliner Kollege, der bekanntlich recht gerne steppt. Nein, im oberbayerischen Karwendelgebirge treibt sich neuerdings wieder ein Meister Petz herum. Oder eine Meisterin, so ganz klar ist das noch nicht, die DNA-Proben werden gerade fachgerecht untersucht. Was das angeht, sind wir bei den Bären, die an den Börsen ihr Unwesen treiben, jedenfalls auf der sicheren Seite, denn da spielen DNA und Provenienz keine Rolle. Stattdessen geht es um Performance, und zwar negative (um genau zu sein), und zwar in Bezug auf das zuletzt markierte Top (um noch genauer zu sein). Wenn ein Wert nämlich von seinem jüngsten Hoch ausgehend über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten mindestens 20% nach unten fällt, dann ist das kein Crash und auch keine Korrektur, sondern mit ziemlicher Sicherheit ein Bärenmarkt, eine „Baisse“, wie das auf Französisch genannt wird. Folgerichtig war der Corona-Crash im Februar/März 2020 auch genau das (= ein Crash), während wir aktuell einen waschechten Bärenmarkt erleben. Und wenn Sie jetzt völlig zu Recht anmerken, dass die Märkte zuletzt doch wohl in eine Erholung übergegangen sind – stimmt!

Brücken-Tag

Schön, dass Sie heute wieder mit dabei sind, an diesem sogenannten „Brückentag“, der so heißt, weil er (zumindest hierzulande) zumeist ein Freitag ist und zwischen einem Feiertag und einem Wochenende eine, wer hätte es gedacht, Brücke schlägt. Wobei das mit dem Feiertag so eine Sache ist, denn an den deutschen Börsenplätzen wurde beispielsweise wie an jedem anderen Tag auch gehandelt. Und das gar nicht mal so schlecht, denn während anderorts gefeiert wurde, konnte sich der DAX sogar bis auf 14.308 Zähler schieben. Das war bislang das Höchste der Gefühle beziehungsweise der Kursstände in dieser Woche, die ansonsten bis dato mit einigen Aufs und Abs glänzte:

Auf der Kippe

Ein bisschen komisch scheint sie vielleicht schon, die heutige Überschrift, seit meine geschätzte Kollegin mir eröffnet hat, dass in ihrem Sprachgebrauch das Wort „Kippe“ umgangssprachlich für „Müllkippe“ steht. Dabei ist diese Kippe gar nicht gemeint, sondern die andere, Sie wissen schon – die, wo es eben kippen kann, nach einer Seite oder aber der anderen. Und gedacht war das Ganze als Metapher für die aktuelle Lage an den Märkten, denn die stehen genau da, auf der Kippe. Einerseits hätte nun, nach sechs Verlustwochen in Folge, ein Umschwung und mit diesem eine Erholungsbewegung einsetzen können. Andererseits stellt sich durchaus die Frage, warum es nicht noch weiter abwärts gehen sollte. In Zahlen ausgedrückt liest sich das Ganze dann ungefähr so:

Ein perfekter Sturm?

Eigentlich ist „Der perfekte Sturm“ ja der Titel eines Romans, „The Perfect Storm“ im Original. Geschrieben hat diesen Bestseller mein Namensvetter Sebastian Jungers, und er beschreibt darin den Untergang des Fischfangschiffes „Andrea Gail“, der einem außergewöhnlichen Sturmereignis vor der US-amerikanischen Ostküste im Jahr 1991 geschuldet war. Längst gilt „der perfekte Sturm“ aber auch als Metapher für die maximale Katastrophe, wie Wikipedia weiß. Gerade an den Börsen wird dieses Sprachbild daher immer wieder verwendet, um zu verdeutlichen, dass die Lage alles andere als rosig ist. So wie jetzt, beispielsweise. Denn da sieht es sowohl für Aktien als auch für Anleihen ebenso wie für Gold oder Kryptos ziemlich mau aus. Der Krieg, die Pandemie, das Lieferketten-Chaos, die Inflation, vor allem, aber eben nicht nur bei den Energiepreisen – das sind die Faktoren, die möglicherweise einen perfekten Sturm auslösen. Und:

Subscribe to this RSS feed

Hinweispflicht nach §34b WpHG: Die Prime-Quants.de-Redaktion ist in genannten Wertpapieren / Basiswerten zum Zeitpunkt des Publikmachens des Artikels eventuell investiert. Es liegt möglicherweise ein Interessenskonflikt vor. In der Regel finden Sie im Artikel selbst einen Hinweis darauf, falls dem so ist. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Disclaimer: Der Inhalt der Webseite ist nicht als Angebot zum Erwerb der hier oder auf weiterführenden Webseiten beschriebenen Produkte zu verstehen. Die auf der Webseite angezeigten Inhalte sind unverbindlich und dienen lediglich zu Informationszwecken. Die zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung zum Erwerb der beschriebenen Produkte dar. Die Informationen zur Wertentwicklung in der Vergangenheit bieten keine Gewähr für zukünftige Erträge. Aussagen die Zukunft betreffend sind immer risikobehaftet. Die Inhalte unserer Seiten erstellten wir mit größter Sorgfalt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit Aktualität und Angemessenheit der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen. Als Diensteanbieter sind wir gemäß § 7 Abs.1 TMG für eigene Inhalte auf diesen Seiten nach den allgemeinen Gesetzen verantwortlich. Nach § 8 bis § 10 TMG sind wir als Diensteanbieter jedoch nicht verpflichtet, übermittelte oder gespeicherte fremde Informationen zu überwachen oder nach Umständen zu forschen, die auf eine rechtswidrige Tätigkeit hinweisen. Verpflichtungen zur Entfernung oder Sperrung der Nutzung von Informationen nach den allgemeinen Gesetzen bleiben hiervon unberührt. Eine diesbezügliche Haftung ist jedoch erst ab dem Zeitpunkt der Kenntnis einer konkreten Rechtsverletzung möglich. Bei Bekanntwerden von entsprechenden Rechtsverletzungen werden wir diese Inhalte umgehend entfernen. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung von Prime Quants wieder und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Wir behalten uns das Recht vor jederzeit die Webseite teilweise oder vollständig zu verändern, den Betrieb einzuschränken oder zu beenden. Das Recht diese Bedingungen jederzeit zu ändern oder zu ergänzen wird von den Betreibern vorbehalten. Die durch die Seitenbetreiber erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Vervielfältigung der Seiten oder ihrer Inhalte bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Urhebers. Soweit die Inhalte auf dieser Seite nicht vom Betreiber erstellt wurden, werden die Urheberrechte Dritter beachtet. Insbesondere werden Inhalte Dritter als solche gekennzeichnet. Sollten Sie trotzdem auf eine Urheberrechtsverletzung aufmerksam werden, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden wir derartige Inhalte umgehend entfernen. Detaillierte Informationen können Sie hier einsehen: Disclaimer