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Sebastian Affeld

Sebastian Affeld

Die Macht der Zahlen

DER Termin in dieser gerade abgelaufenen Handelswoche war sicherlich die Sitzung der US-Notenbank am Mittwochabend (unserer Zeit). Dabei ging es weniger um die Leitzinsspanne (die unverändert zwischen Null bis 0,25% belassen wurde), sondern vielmehr um den Ausblick auf die künftige Ausgestaltung der Geldpolitik. Und da bleibt die Fed ihrem bisherigen Kurs treu – keine Abweichung von der eingeschlagenen Route bis Ende 2023, die milliardenschweren Anleihekäufe werden unvermindert fortgesetzt. Erhöht wurde dagegen die Prognose fürs US-amerikanische Wirtschaftswachstum. Rechneten die Währungshüter Ende Dezember noch mit einem Anstieg um 4,2%, sind es nun bereits 6,5%, um die das US-BIP im laufenden Jahr zulegen dürfte. In Deutschland erwarten die fünf Wirtschaftsweisen, der Sachverständigenrat der Bundesrepublik, übrigens einen Rückgang der Konjunktur, von zunächst prognostizierten 3,7% auf „nur noch“ 3,1%. Geschenkt, denn für die Börsen ging es trotzdem satt nach oben:

The only way is up

Dass meine sehr geschätzte Kollegin gerne Liedgut aus den 80ern des vorherigen Jahrhunderts intoniert, habe ich an der ein oder anderen Stelle bereits erwähnt. Dass sie in Marktphasen wie diesen bevorzugt „The only way is up“ von Yazz trällert, ist mittlerweile auch kein Geheimnis mehr. Und was soll ich sagen – sie hat ja nicht ganz Unrecht. Denn für die Aktienmärkte gab es zuletzt nur eine Richtung: aufwärts, und zwar mit Karacho! Im DAX stehen deshalb auch gleich mehrere neue Bestmarken, intraday und auf Schlusskursbasis, zu Buche, und an der Wall Street ging die Rekordjagd ebenfalls in die nächste Runde. Einzig für den Technologiesektor sah der Börsenhimmel zwischenzeitlich nicht ganz so rosig aus, denn der geriet beim neuen Run auf die alten Werte, wie sich der wiederentdeckte Liebe der Anleger zur Old Economy auch umschreiben lassen könnte, erst einmal so ein bisschen unter die Räder. Aber der Reihe nach:

Market Mover: Gute Nachrichten

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Zum Beispiel die frohe Kunde vom freudigen Ereignis im Berliner Zoo: erstmals seit 16 Jahren hat dort ein kleiner Gorilla das Licht der Welt erblickt, noch dazu ein Mädchen, ein wahrer Glücksfall für den Tierpark, denn nachdem die größte Menschenaffen-Art in Gruppen mit einem Silberrücken und mehreren Weibchen lebt, wird die kleine, derzeit noch namenlose Primatin wohl für eine ganze Weile in der Hauptstadt verbleiben. Übrigens – bis zum 8. März können noch Namensvorschläge unterbreitet werden; ich wäre ja für Marlene, in Anlehnung an eine andere, große Tochter dieser wunderschönen Stadt. Ziemlich gute Nachrichten kamen auch, zumindest kurzzeitig, vom deutschen Leitindex, der am Mittwoch auf ein neues Allzeithoch bei 14.197 Punkten kletterte und die bisherige Bestmarke damit um ein paar Pünktchen (konkret: 18 an der Zahl) nach oben schob. Das war es dann allerdings auch schon, denn anschließend ging es wieder abwärts. Das lag unter anderem an den schwachen Vorgaben aus New York, wo die Kurse teilweise deutlich nachgaben:

Rekordverdächtig

Der heutige Einstieg hat es in sich. Denn wir beginnen, aus mehr oder weniger aktuellem Anlass, mit dem Wetter. Das lässt sich nun bekanntlich kaum jemandem so richtig rechtmachen; dem einen ist es schon wieder zu heiß, der anderen immer noch zu kalt und einige klagen ohnehin bei jeder Gelegenheit über zu viel oder zu wenig Regen. Alle dürften sich jedoch darüber einig sein, dass der Februar in diesem Jahr wettermäßig nachgerade rekordverdächtig ausfiel. So wurde im westfälischen Lippstadt am 12. Februar ein Tiefstwert von -22,9°C gemessen, am 22. Februar dagegen kletterte das Thermometer bis auf 20,6°C, macht einen Temperaturunterschied von schlappen 43,5°C binnen zehn Tagen, das ist beinahe historisch! Zumindest muss der geneigte Hobby-Meteorologe (für mich übrigens eine der zungenbrecherischsten Berufsbezeichnungen, bevor die Epidemiologen vor gut einem Jahr die mediale Bühne betraten) lange in der Historie der Wetteraufzeichnungen suchen, um ähnliche Temperatursprünge zu finden – zuletzt kam es im Frühjahr 1880 zu einem Anstieg von 41°C innerhalb von nur sieben Tagen. Apropos Rekorde:

Für eine Handvoll Dollar

Eine weitere, ereignisreiche Woche liegt hinter uns. In der unter anderem 43 republikanische Senatoren ihre Ehre (und vielleicht auch die US-amerikanische Demokratie) für „eine Handvoll Dollar“ verkauften, um nach langer Zeit endlich wieder einmal einen Filmklassiker (1964, Regie und Drehbuch Sergio Leone) zu zitieren. Oder in der, nach der überraschenden Silbermedaille von Kira Weidle im Super-G der Damen, auch der zweite Platz bei der Herren-Abfahrt der Alpinen Ski-WM in Cortina d’Ampezzo an einen DSV-Rennläufer ging. Dabei verpasste Andreas Sander den Weltmeistertitel nur um eine einzige Hundertstelsekunde, Gold ging an den Österreicher Vincent Kriechmayr. Denkbar knapp scheiterte auch der DAX, und zwar am Allzeithoch aus der Vorwoche. Schließlich ging es am Montag nur bis auf das Wochenhoch bei 14.131 Zählern, danach legten die Bullen eine Verschnauf- oder auch Kunstpause ein. Und zogen sich erst einmal unter die runde 14.000er-Schwelle zurück. Der Grund:

Das Jahr der Bullen

herzlich willkommen im Jahr des Büffels, wahlweise auch Rindes, Ochsen oder, um im Börsensprech zu bleiben, des Bullen. Beziehungsweise der Bullen, damit die Überschrift auch einen Sinn ergibt. Schließlich feiern wir heute das chinesische Neujahrsfest, und damit den Wechsel vom Ratten- (kein Witz, gibt es in der chinesischen Astrologie wirklich!) zum Bullenjahr. Oder eben Büffel, Ochsen, Sie wissen schon. Glaubt man den Astrologen aus dem Reich der Mitte, steht der wiederkäuende Paarhufer vorrangig für Stärke sowie Ausdauer und gilt als hervorragender Problemlöser. Solch einen Troubleshooter können wir nach dem eher schwierigen Seuchenjahr 2020 bestens gebrauchen, und wenn es nur darum geht, etwas Licht ins Lockdown-Dunkel zu bringen. Denn der [Lockdown] schlägt aufs Gemüt, wie eine Studie des Helmholtz Zentrums München belegt. Zeit also für eine Zeitenwende, wobei die Bullen an den Märkten schon längst das Kommando übernommen haben – oder einfach nur, wie das für die Börse so üblich ist, eine positive Entwicklung vorwegnehmen. Für die Aktienindizes hieß es jedenfalls „auf zu neuen Allzeithochs“, und im Detail sah das dann so aus:

Die Feier geht weiter!

„ein Hoch auf…uns“ hieß es vor genau vier Wochen an dieser Stelle, und dabei freuten wir uns einerseits über den gelungenen Start in ein neues Börsenjahr sowie andererseits den 10. Geburtstag von Prime Quants. Kaum sind die Gläser geleert, gibt es auch schon wieder den nächsten Grund zu feiern, erneut in eigener Sache. Deshalb werden wir kurz…ganz kurz und ganz gegen unsere sonstige Art…etwas Werbung in eigener Sache machen und das heutige Editorial mit dieser (Eigen-)Meldung beginnen: Nachdem wir unser Long-Engagement auf Sartorius Vz mit einem Gewinn von rund 100% glattgestellt haben, erreichte die Market Mover-Dispoliste einen neuen Höchststand. Wer dringeblieben ist, hat aber auch alles richtig gemacht, wenngleich das Risiko eines Rücksetzers infolge von Gewinnmitnahmen nach diesem starken Rallyelauf – seit Jahresbeginn sattelte die Sartorius Vorzugsaktie knapp 30% auf, davon allein rund 16% in der vergangenen Woche – mit jedem neuen Allzeithoch wächst. Apropos Wachstum:

Die Macht der „jungen Wilden“

Erinnern Sie sich noch daran, als die Tesla-Aktie als der meistgeshortete Titel an der Wall Street galt? Das war im Mai 2019, und die Papiere des E-Autobauers notierten bei 185 US-Dollar (heute splitbereinigt 37 US-Dollar). Damals war jede dritte Aktie leer verkauft, doch die Wette auf den Crash bei Tesla ging bekanntlich nicht auf. Im zweiten Halbjahr 2019 nahmen die Kurse nämlich Fahrt auf und legten stolze 125% zu. Für die Shortseller summierten sich die Verluste aus den Leerverkäufen zu diesem Zeitpunkt bereits auf 8,4 Milliarden US-Dollar, wie S3 Partners ermittelte. Doch die Rallye ging 2020 weiter, am Ende eines spektakulären Börsenjahres standen für die Papiere des E-Autokonzerns eine Performance von über 700% und, wie gerade verkündet wurde, der erste Jahresgewinn in der Konzerngeschichte zu Buche. Für die Leerverkäufer bedeutete das weitere Verluste in Höhe von 39 Milliarden US-Dollar. Sie denken, das sei viel Geld? Dann kennen Sie die Geschichte von GameStop noch nicht:

Mission completed

Es ist vollbracht! Am Mittwoch, dem 21. Januar 2021 endete um 11.49 Uhr Ortszeit am Washingtoner Kapitol die vierjährige Amtszeit von Donald Trump. Der hat mittlerweile gute Chancen, als schlechtester Präsident in die US-amerikanische Geschichte einzugehen. So gesehen war sein Fehlen bei der feierlichen Inauguration von Amtsnachfolger Joe Biden im illustren Kreis der Ehemaligen – außer dem hochbetagten Jimmy Carter nahmen die übrigen noch lebenden Ex-Präsidenten an der Vereidigung teil – eine eher angenehme Begleiterscheinung. Apropos Begleitung: viele Freunde blieben Donald Trump derzeit nicht mehr, auf seinem letzten Weg vom Weißen Haus ins Exil – pardon, in den Ruhestand – wie auch Jim Acosta, Trumps Fake-News-Media-Lieblingsgegner, in seinem ebenfalls am Mittwoch bei CNN erschienenen Artikel bemerkte. In Feierlaune waren dagegen die Märkte, denn die schenkten dem neuen Amtsinhaber erst einmal ein paar neue Allzeithochs. Die Euphorie war sogar so groß, dass auch hierzulande die Korken knallten:

Die Spannung steigt!

Sie wissen ja – ick bin ein Berliner, wa – und als solcher freue ich mich selbstverständlich über die Schneeflocken, die zuletzt über der Hauptstadt herniedergingen und selbige in ein Winterwunderland verwandelten. Noch mehr freuten sich naturgemäß meine beiden Kinder, die aus den – zugegebenermaßen überschaubaren – Ressourcen gleich voller Begeisterung einen kleinen Schneemann bauten. Nicht ganz so glücklich dürften dagegen die Bayern mit bzw. über den Wintereinbruch sein, schließlich gingen die Fußballer des FC Bayern – und von denen war hier auch gerade die Rede – am Mittwochabend im Schneetreiben in Kiel gegen den Drittplatzierten der 2. Bundesliga spektakulär und unerwartet unter. 6:5 nach Elfmeterschießen, macht das erste Zweitrundenaus im DFB-Pokal seit dem Jahr 2000 – hoppla! Ausrutscher gab es aber auch beim DAX, der zuletzt wieder unter die 14.000er-Schwelle schlitterte und sich aktuell um die Rückeroberung dieser runden Marke bemüht. Wem das noch nicht spannend genug ist, dem/der bleibt der Blick nach Washington. Denn:

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