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Sebastian Affeld

Sebastian Affeld

Auf der Kippe

Ein bisschen komisch scheint sie vielleicht schon, die heutige Überschrift, seit meine geschätzte Kollegin mir eröffnet hat, dass in ihrem Sprachgebrauch das Wort „Kippe“ umgangssprachlich für „Müllkippe“ steht. Dabei ist diese Kippe gar nicht gemeint, sondern die andere, Sie wissen schon – die, wo es eben kippen kann, nach einer Seite oder aber der anderen. Und gedacht war das Ganze als Metapher für die aktuelle Lage an den Märkten, denn die stehen genau da, auf der Kippe. Einerseits hätte nun, nach sechs Verlustwochen in Folge, ein Umschwung und mit diesem eine Erholungsbewegung einsetzen können. Andererseits stellt sich durchaus die Frage, warum es nicht noch weiter abwärts gehen sollte. In Zahlen ausgedrückt liest sich das Ganze dann ungefähr so:

Ein perfekter Sturm?

Eigentlich ist „Der perfekte Sturm“ ja der Titel eines Romans, „The Perfect Storm“ im Original. Geschrieben hat diesen Bestseller mein Namensvetter Sebastian Jungers, und er beschreibt darin den Untergang des Fischfangschiffes „Andrea Gail“, der einem außergewöhnlichen Sturmereignis vor der US-amerikanischen Ostküste im Jahr 1991 geschuldet war. Längst gilt „der perfekte Sturm“ aber auch als Metapher für die maximale Katastrophe, wie Wikipedia weiß. Gerade an den Börsen wird dieses Sprachbild daher immer wieder verwendet, um zu verdeutlichen, dass die Lage alles andere als rosig ist. So wie jetzt, beispielsweise. Denn da sieht es sowohl für Aktien als auch für Anleihen ebenso wie für Gold oder Kryptos ziemlich mau aus. Der Krieg, die Pandemie, das Lieferketten-Chaos, die Inflation, vor allem, aber eben nicht nur bei den Energiepreisen – das sind die Faktoren, die möglicherweise einen perfekten Sturm auslösen. Und:

Es bleibt historisch

Gerade erst hatten wir sie hier als Thema – die vielbeschworene, - beschriebene und -zitierte Zeitenwende. Dabei ging es in dieser Woche direkt in die nächste Runde, historisch betrachtet. Denn die US-Notenbank, Federal Reserve Bank mit vollem Namen, zumeist aber liebevoll nur „Fed“ genannt, hat am Mittwochabend unserer (Sommer-)Zeit den Leitzins angehoben. Das ist nun an und für sich kein allzu großes Ding, hatten die Damen und Herren rund um Fed-Chef Jerome Powell ja gerade erst im März schon einmal gemacht. Dass der Zinsschritt diesmal so genau beobachtet und kommentiert wurde, lag an seiner historischen Dimension. Erstmals seit 22 Jahren betrug die Erhöhung nämlich 0.5 Prozent- oder aber 50 Basispunkte. Uff! Gleich so viel?! Ja, gleich so viel, schließlich ist die Inflation in den USA drauf und dran, den Notenbankern davon zu galoppieren; für den März betrug die Teuerungsrate jedenfalls stolze 8,5%, den höchsten Stand seit Dezember 1981. Puh!

Licht und Schatten

Nachdem wir vor einer Woche an dieser Stelle den Kursabsturz bei Netflix thematisch begleiteten, sind in der aktuellen Ausgabe die übrigen Top-Techs an der Reihe. Denn in dieser Woche fand quasi der Showdown der laufenden Berichtssaison statt, schließlich öffneten mit Alphabet, Meta, Microsoft, Amazon und Apple die ganz Großen aus dem Tech-Sektor ihre Bücher. Dementsprechend groß war das Interesse, übrigens (und aus aktuellem Anlass, nachdem die Übernahme durch Tesla-Mastermind Elon Musk nun doch in beinahe trockene Tücher gepackt werden konnte) auch am Zahlenwerk von Twitter, das ebenfalls in dieser Woche (am gestrigen Donnerstag, um ganz genau zu sein) der Öffentlichkeit und den (Noch-)Aktionären vorgelegt wurde. Unter dem Strich fielen die Ergebnisse übrigens, nun ja, durchwachsen aus. Denn wo einerseits einigermaßen Licht (Apple, Facebook) herrschte, gab es andernorts auch schattige Abschnitte (amazon.com, Alphabet). Im Detail:

Zeitenwende

Zeitenwende, das ist ja so eines dieser Wörter, über das man heutzutage ständig stolpert. Weil es an beinahe jeder Ecke lauert, in gedruckter, gesprochener oder manchmal auch einfach nur gedachter Form. Mir ging das jedenfalls so, als ich am späten Dienstagabend die Quartalszahlen von Netflix vernahm. Da ging mir tatsächlich das Wort „Zeitenwende“ durch den Kopf, denn erstmals seit 2011 hat der Streamingdienst Abonnenten verloren. Die Zahl an sich – 200.000 – scheint auf den ersten Blick gar nicht so groß zu sein, allerdings relativiert sich das ziemlich zügig, angesichts der eigentlich erwarteten 2,5 Millionen Neukunden. Die Aktie des einstigen Corona-Krisen-Gewinners reagierte entsprechend; nachbörslich brach der Kurs der Papiere um rund 26% ein, ein Viertel des Börsenwerts, etwa 40 Milliarden US-Dollar, lösten sich buchstäblich über Nacht in Luft auf. Das war aber noch nicht alles:

Auf der Suche nach dem Impuls

Das Osterfest steht vor der Tür, und manch eine oder einer hat schon die Koffer gepackt, um die kommenden (Feier-)Tage mit der Familie oder einfach nur an einem anderen Ort zu verbringen. Dabei waren die Zeiten auch schon einmal besser, was das Feiern angeht. Krieg, Inflation, Covid-Chaos in China, diese drei Belastungsfaktoren beherrschten das Kursgeschehen in den zurückliegenden Tagen, wie auch schon in den Wochen zuvor. Womit wir direkt bei den Märkten wären, und die taten sich in der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche schwer, neue Impulse zu finden. Zumindest, was die Oberseite angeht, denn:

NFT's? Schöne neue (Schein-)Welt!

Neue Woche, neues Glück – oder, im vorliegenden Fall, neues Thema. Und da hatte ich mir für diese Ausgabe eigentlich den Oberbegriff NFT’s zurechtgelegt; Sie wissen schon, diese „Non-Fungible Token“, zertifizierte digitale Unikate, die (wie Kryptowährungen) an Blockchains angehängt sind. Schöne neue (Schein-)Welt, denn ähnlich wie bei Bitcoin & Co ist der Markt zwar extrem gehypt, aber auch ebenso undurchsichtig und unreguliert. Sei es drum, ich fand das jedenfalls hochspannend, allerdings entschied die Redaktionssitzung ziemlich zügig auf „zu umfangreich für dieses Format“. Nun gut, dann werde ich bei Gelegenheit ein Essay darüber schreiben, vielleicht an Ostern, da sind ja ein paar Tage frei. Weswegen, und damit kommen wir zu einem Hinweis in ureigener Sache, der Market Mover in der kommenden Woche auch am (Grün-)Donnerstag erscheinen wird, save the Date! Wenn Sie sich jetzt aber fragen, wie um alles in der Welt der Bogen hin zu den Märkten geschlagen werden soll, dann habe ich hier den guten alten Doppelpunkt im Gepäck:

Auf die Plätze, Inflation!

Während der Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen seine 2022er-Wachstumsprognose für das deutsche BIP von einst (= November 2021) 4,6% auf aktuell schmale 1,8% gesenkt hat, klettern andernorts die Zahlen. So zum Beispiel bei den Verbraucherpreisen, an deren Index die berühmt-berüchtigte Inflationsrate gemessen wird. Letztgenannte ist im März, so die erste Schätzung des zuständigen Statistischen Bundesamts, um 7,3% gestiegen, und zwar im Vergleich zum Vorjahresmonat. Sollte sich dieser Anstieg bestätigen, wäre das der höchste Stand seit über 40 Jahren und damit noch vor der Wiedervereinigung. Entsprechend titelte die Tageszeitung mit den vier Buchstaben auch gleich „Historischer Teuer-Schock“ und wies darauf hin, dass „erste Gewerkschaften ein Monster-Lohnplus“ fordern. Ein Monster-Lohnplus? Ach herrje!

Eine gute Nachricht

Während der Krieg in der Ukraine bereits vier Wochen andauert, gehen auch die Unsicherheiten an den Märkten unvermindert weiter. Dabei gibt es, wenn man das denn so nennen will, wenigstens eine halbwegs gute Nachricht: Der VDAX-NEW (WKN A0DMX9), das sogenannte „Angstbarometer“, ist seit seinem Höchststand bei 48,62 Anfang März mittlerweile ein ganzes Stück zurückgekommen. Will heißen, die Marktteilnehmer*innen rechnen mit weniger starken Kursschwankungen, als das noch vor gut drei Wochen der Fall war. Die Betonung liegt jedoch auf „weniger stark“, denn mit Notierungen um 30 Punkte ist der Volatilitätsindex noch weit von den „normalen“ Ständen zwischen 15 und 20 Zählern entfernt. Zum Vergleich:

Lage? Unverändert!

Die Themen, die in dieser Handelswoche das Markt- und Kursgeschehen bestimmten, waren leider immer noch dieselben. Denn der Krieg in der Ukraine geht mit aller Härte weiter und auch die Zinserhöhung der US-Notenbank – der Leitzins wurde um 25 Basispunkte angehoben, die Zinsspanne liegt nun zwischen 0,25 und 0,50 Prozent – war im Vorfeld über Wochen ausgiebig diskutiert und zu guter Letzt genauso erwartet worden. Für die Börsen bedeutete das eine Fortsetzung der volatilen Kursbewegungen, wobei jedes kleine Zeichen einer möglichen Annäherung zwischen Russland und der Ukraine mit Ausschlägen auf der Oberseite gefeiert wurde. Aber:

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