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Sebastian Affeld

Sebastian Affeld

Die heiße Phase

Es ist ganz offensichtlich – der Bundestagswahlkampf 2021 ist mittlerweile in die heiße Phase eingetreten. Das liegt zum einen natürlich daran, dass wir heute den 10. September schreiben und damit noch genau 16 Tage bis zum Urnengang bleiben. Zum anderen, und dieses Merkmal ist selten vom Kalender oder Zeitplan, sondern vielmehr von den Umfragen abhängig, wird der Ton (der in dieser Saison ohnehin kein allzu guter war, was den Umgang mit und unter den Kandidierenden anging) noch lauter, noch schriller, noch durchdringender. Beinahe so, als ob womöglich (Achtung, Ironie!) die Zukunft unseres Landes von dieser Wahl (übrigens die zum 20. Deutschen Bundestag) abhängen würde. Wen wundert’s da, dass ein Hauch von Anspannung nun auch die heimischen Aktienmärkte erreicht hat. Das fröhliche Laissez-faire, das noch in den Sommermonaten auf dem Parkett vorherrschte, ist zuletzt einer gewissen Nervosität gewichen. Die Folge:

Spekulationsobjekt

Es darf wieder spekuliert werden! Pünktlich zum Start in den September beherrschte der Umbau des DAX die Schlagzeilen. Naja, zumindest jene, die sich überwiegend und/oder vorrangig mit Börse beschäftigen. Dabei ist die spannende, alles beherrschende Frage (nette Parallele übrigens zum derzeit laufenden Bundestagswahlkampf) vor allem eine: wer macht das Rennen? Anders als beim Kampf ums Kanzleramt, wo bekanntlich nur ein Platz besetzt wird, geht es bei der Neubesetzung des Deutschen Aktienindex, wie der DAX mit vollem Namen heißt, gleich um zehn freie Sitze. Entsprechend groß ist die Auswahl, wobei ein Kriterium schon von vornherein klar ist. Schließlich kommen alle Anwärter aus dem MDAX – der damit, so einfach kann Mathematik manchmal sein, von jetzt 60 auf erneut 50 Werte zurückgeführt wird. Plus zehn hier, minus zehn da, sozusagen. Für manche wird der Mid Cap Index dadurch zwar seiner besten Pferde beraubt, darin könnte aber vielleicht auch eine Chance für kleinere Unternehmen liegen, alsbald ebenfalls groß aufzutrumpfen. So wie die Kandidaten, über deren Aufstieg noch bis heute Abend spekuliert werden darf. Als da wären:

Fed im Fokus

Aus aktuellem Anlass wird die heutige Ausgabe knapper ausfallen, als Sie das sonst gewohnt sind. Denn es hat mich erwischt. Trotz allergrößter Vorsicht hat mich eine fiese Sommergrippe erst erwischt und anschließend prompt niedergestreckt. Ob es nun die Erst- oder der Zweitgeborene war, die/der das Influenzavirus aus der Kita mit nachhause gebracht haben könnte, lässt sich nicht mehr gesichert ermitteln. Ist auch unerheblich, meinem lädierten Zustand nach waren es ohnehin vermutlich beide. Lustigerweise passte mein temporäres Siechtum genau zu dieser (Handels-)Woche, denn auch da war überwiegend Auszeit angesagt. Zwar schafften es die US-Aktienmärkte – natürlich, muss hier beinahe schon gesagt werden – erneut auf neue Allzeithochs. Doch eine größere Aufwärtsbewegung konnte eben nicht verzeichnet werden. Stattdessen wurde gewartet:

Das Gesetz der Serie

Heute möchte ich – auch und gerade weil wir in dieser Woche mit so vielen schrecklichen, verstörenden Bildern konfrontiert wurden – noch einmal ein paar Wochen in der Zeit zurückgehen und auf die diesjährige Europameisterschaft im Herrenfußball zurückkommen. Bei diesem, von den Veranstaltern liebevoll „UEFA 2020“ genannten Großereignis hat die am Ende siegreiche Squadra Azzurra (aka italienische Nationalelf) nicht nur sehr souverän den Titel gewonnen, sondern auch einen neuen Rekord aufgestellt. 34 Spiele ohne Niederlage in Serie, das ist – genau, Rekord. Von dem sind die folgenden Protagonisten zwar noch ein gutes Stück entfernt, dennoch war die Performance, die sowohl der Dow Jones Industrial Average als auch der unverändert breiter gefasste S&P 500 zuletzt aufs Parkett legten, durchaus sehenswert. Denn an immerhin fünf Tagen in Folge schraubten sich die beiden Aktienindizes auf neue, Achtung, Rekordmarken. Das ist die längste Serie seit Mitte März im Dow Jones, der damals sechs neue Bestmarken hintereinander erzielte. Beziehungsweise seit, nun ja, nicht ganz so spektakulär, Anfang Juli im S&P 500, wo bis zum 7. Juli doch tatsächlich neun Rekorde in Folge aufgestellt wurden. Der, was sonst, Rekord liegt (beim S&P 500) übrigens bei 14 Alltime-Highs und datiert vom 25. März 1998 sowie 13 neue Höchststände hintereinander beim Dow Jones aus dem April 1983. Und der DAX?

Im Höhenrausch

Es ist so eine Sache, mit der Höhe. Wer wie ich als sogenannter „Flachlandtiroler*in“ durchs Leben geht, für den/die fangen die Probleme am Berg (oder im Hochland, beispielsweise in den Anden) ungefähr ab 4.000 Höhenmetern an. Nicht akklimatisierte Personen können hier schon höhenkrank werden. Dabei erleidet der Körper einen permanenten Sauerstoffmangel, der unter anderem über eine schnellere Herzschlagfrequenz ausgeglichen werden muss. Mit jedem weiteren Höhen-Meter steigt die Belastung für den Körper, während im Gegenzug die Überlebenschancen sinken. Ab etwa 7.500 Metern schließlich ist die „Todeszone“ erreicht, in der ein dauerhafter Aufenthalt ohne zusätzliche Sauerstoffversorgung schlichtweg unmöglich ist. Ein Symptom der bereits erwähnten Höhenkrankheit ist dabei der – durch den Sauerstoffmangel im Körper verursachte – Höhenrausch:

Der Höhepunkt der Saison

Für die meisten Sportler gibt es ihn, diesen einen Höhepunkt der Saison, auf den mit aller Hingabe hintrainiert wird. In diesem Jahr dürften das für viele (Sportler) die Olympischen Spiele in Tokio sein; die hätten zwar eigentlich bereits im Sommer 2020 stattfinden sollen, wurden aber, wie sich herumgesprochen haben dürfte, pandemiebedingt auf diesen August verschoben. Das mag nicht allen gefallen, für dieses Editorial ist es jedoch ein Geschenk. Thematisch, versteht sich. Denn damit gelingt mir jetzt eine einigermaßen gelungene Überleitung hin zu den Märkten, schließlich haben die Kurse mit dem achten Kalenderblatt ebenfalls den Höhepunkt ihrer Saison erreicht. Wie bitte?! Nun ja, wer die SG Active Trading Webinare mit meinen sehr geschätzten Kollegen (die nächste Ausgabe findet übrigens am kommenden Mittwoch um 19.00 Uhr statt, wer dabei sein möchte, ist hiermit herzlich eingeladen und hier geht es zur Anmeldung) zuletzt verfolgt hat, der/die weiß, dass die Sache aus saisonaler Sicht jetzt einigermaßen eindeutig ist:

Comeback für Big Tech

Wir müssen reden, und zwar über Tesla. Da falle ich quasi mit der sprichwörtlichen Tür ins ebensolche Haus, doch das ist es mir wert, denn der E-Autobauer hat ein neues Kapitel seiner Erfolgsgeschichte geschrieben, beziehungsweise aufgeschlagen. Erstmals in der Unternehmenshistorie kletterte der Quartalsgewinn über magische Milliardenmarke. Die vor allem deshalb magisch ist, weil sich damit eine prima Alliteration bilden lässt. Aber Spaß beiseite – in den Monaten April, Mai und Juni steigerte der Musk-Konzern seine Gewinne mal eben um das Zehnfache, verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresquartal. Bei den Umsätzen ging es sogar knapp 100% nach oben, hier stand ein Plus von 98% auf 12 Milliarden US-Dollar zu Buche. Das Besondere daran: anders als im vorangegangenen Quartal verdiente Tesla diesmal mit dem Verkauf seiner Fahrzeuge Geld! Rund 200.000 elektrifizierte Automobile fuhren in Q2/2021 im übertragenen Sinne vom Hof, auch das ein neuer Rekord, nämlich in der Kategorie „Stückzahl Auslieferung“. Dabei war das noch vor drei Monaten der Hauptkritikpunkt:

Alles anders

Letzte Woche war das Thema (die Geldpolitik der EZB) schon Tage zuvor gesetzt und ein Bezug zu den aktuellen Unwetterereignissen kaum gegeben, weshalb wir auf einen Verweis verzichteten. Das hat sich jetzt geändert. Nachdem die Wassermassen abgeflossen sind und das ganze Ausmaß der katastrophalen Sturzfluten sichtbar wurde, steht fest, dass in Rheinland-Pfalz, in Nordrhein-Westfalen, in der Sächsischen Schweiz und gleich bei den Kollegen um die Ecke, im Berchtesgadener Land, unzählige Menschen ihr Hab und Gut, ihre Existenzen oder sogar ihr Leben verloren haben. Die Todeszahlen sind längst dreistellig, und noch immer werden Angehörige, Freunde, Kollegen oder Nachbarn vermisst. Angesichts der verheerenden Zerstörung im Ahrtal und anderswo erscheinen die Geschehnisse an den Aktienmärkten daher nachgerade nichtig. Dabei hat sich in den vergangenen Tagen ein neuer Begriff auf dem Parkett eingeschlichen, den wir heute schon einmal genauer unter die Lupe nehmen müssen:

Inflationär

Manchmal, aber wirklich nur manchmal, geht der Volkswirt mit mir durch. So zum Beispiel bei der Meldung, dass die EZB, also die Europäische Zentralbank, ihr Inflationsziel angepasst hat. Beziehungsweise sich ein neues gesetzt hat. Bislang (genauer: seit 2003 und damit immerhin seit 18 Jahren) galt für die Währungshüter ja bekanntlich, mittelfristig eine Teuerungsrate von „unter, aber nahe zwei Prozent“ anzupeilen. Jetzt, schwuppdiwupp, sind es zwei Prozent geradeaus, wobei geringfügige Schwankungen um die Zielmarke herum nicht ausgeschlossen sind. Heißt im Klartext – die Rate kann schon auch mal über den genannten zwei Prozent liegen (die Deutsche Bundesbank erwartet übrigens zum Jahresende rund vier Prozent). Interessant klingt dabei vor allem die Begründung: „Der EZB-Rat geht davon aus, dass Preisstabilität mit einem Inflationsziel von zwei Prozent auf mittlere Sicht am besten erreicht werden kann“, und weiter:

Schöne neue Welt

Wieder was gelernt: das englische Adjektiv „brave“, das heute gemeinhin mit „tapfer“ übersetzt wird, bedeutete im 16./17. Jahrhundert (und damit zu Lebzeiten des großen William Shakespeare) noch eher „schön“ in all seinen Facetten. Einige davon sind im Englisch-Deutsch Wörterbuch von Langenscheidt aufgelistet und mit OBS für obsolet beziehungsweise veraltet gekennzeichnet. Der Zusammenhang erschließt sich jedoch erst, wenn man weiß, dass der 1932 erschienene Roman „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley im Original „Brave new world“ heißt und dieser Titel sich auf ein Stück von besagtem William Shakespeare („Der Sturm“) bezieht. Und richtig rund wird die Geschichte, wenn wir mit der in der Überschrift gestellten Frage direkt zum Punkt und damit zur Börse gelangen, präziser zu den Meme-Aktien. Meme was?

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