Print this page
Comeback für Big Tech
  • Posted

Comeback für Big Tech

Wir müssen reden, und zwar über Tesla. Da falle ich quasi mit der sprichwörtlichen Tür ins ebensolche Haus, doch das ist es mir wert, denn der E-Autobauer hat ein neues Kapitel seiner Erfolgsgeschichte geschrieben, beziehungsweise aufgeschlagen. Erstmals in der Unternehmenshistorie kletterte der Quartalsgewinn über magische Milliardenmarke. Die vor allem deshalb magisch ist, weil sich damit eine prima Alliteration bilden lässt. Aber Spaß beiseite – in den Monaten April, Mai und Juni steigerte der Musk-Konzern seine Gewinne mal eben um das Zehnfache, verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresquartal. Bei den Umsätzen ging es sogar knapp 100% nach oben, hier stand ein Plus von 98% auf 12 Milliarden US-Dollar zu Buche. Das Besondere daran: anders als im vorangegangenen Quartal verdiente Tesla diesmal mit dem Verkauf seiner Fahrzeuge Geld! Rund 200.000 elektrifizierte Automobile fuhren in Q2/2021 im übertragenen Sinne vom Hof, auch das ein neuer Rekord, nämlich in der Kategorie „Stückzahl Auslieferung“. Dabei war das noch vor drei Monaten der Hauptkritikpunkt:

Tesla drückt auf die Tube

Ein Autobauer, der seine Gewinne mit dem Handel mit CO2-Zertifikaten und Spekulationen auf die Kryptowährung Bitcoin erzielt? Also bitte – wo kommen wir denn da hin? So oder so ähnlich lautete die Kritik, nachdem der Konzern im ersten Quartal des Jahres tatsächlich auf, nun ja, branchenfernere Geschäftsfelder verlegt hatte. Das ist jedoch Schnee von gestern, denn im Kerngeschäft läuft es offensichtlich ausgezeichnet. Dabei hat Tesla die Nase bei den Verkaufszahlen auch im Vergleich mit der (deutschen) Konkurrenz ganz vorne – Volkswagen kommt auf 111.000 verkaufte E-Fahrzeuge, vor Daimler (23.000) und BMW (22.000). So, und wer nun Lust auf noch mehr Rekorde hat, für den/die hätten wir noch Apple als weiteres Beispiel im Gepäck. Der Kultkonzern aus Cupertino/Kalifornien legte einen Tag nach Tesla die Quartalszahlen vor und überraschte ebenfalls – positiv, wohlgemerkt. Ein Plus von 93% beim Gewinn und ein ebensolches in einer Größenordnung von 36% beim Umsatz sind Werte, die sonst üblicherweise im starken ersten Quartal (von Oktober-Dezember und damit inklusive Weihnachtsgeschäft, bei Apple weicht das Geschäfts- vom Kalenderjahr ab) verzeichnet werden. Das bedeutet:

Tech is back

Die Tech-Werte sind wieder voll da und werden den hohen Erwartungen von Anlegern und Analysten dank herausragender Quartalszahlen mehr als gerecht. Dass die Luft auf der Oberseite dennoch dünner wird, liegt gleich an mehreren Faktoren. Zum einen bremst der anhaltenden Chipmangel, zum anderen steigen die Transportkosten, wie auch Apple-Chef Tim Cook bemerkte. Zudem wachsen die Zweifel, woher die Kurse weiteren Auftrieb erhalten könnten. Schließlich stehen für den Nasdaq 100 seit Jahresbeginn bereits +15,9% zu Buche. Damit hat der US-amerikanische Tech-Index die Nase wieder ganz knapp vor den anderen Börsenbarometern wie DAX oder Dow. Dabei haben die aus charttechnischer Sicht jetzt sogar gute Chancen auf einen Ausbruch nach oben. Bedingt durch den Kurseinbruch vor rund anderthalb Wochen (und die anschließende Erholung) hat sich im Chart eine kleine V-Formation herausgebildet, die – im DAX – durchaus Platz bis 16.500 Punkte möglich machen würde. Vorausgesetzt, das wird noch was, mit dem Break an der 16.000er-Schwelle. Ohne vergleichbare Zugpferde wie die aus der Tech-Branche könnte das in den kommenden Wochen aber schwierig werden und/oder nur nach einem Umweg über die Haltezonen bei 15.300 bzw. 15.000 gelingen!

Melden Sie sich jetzt für den Market Mover an - 100% kostenfrei, topaktuell und jederzeit abbestellbar.

© 2021