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Schöne neue Welt
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Schöne neue Welt

Wieder was gelernt: das englische Adjektiv „brave“, das heute gemeinhin mit „tapfer“ übersetzt wird, bedeutete im 16./17. Jahrhundert (und damit zu Lebzeiten des großen William Shakespeare) noch eher „schön“ in all seinen Facetten. Einige davon sind im Englisch-Deutsch Wörterbuch von Langenscheidt aufgelistet und mit OBS für obsolet beziehungsweise veraltet gekennzeichnet. Der Zusammenhang erschließt sich jedoch erst, wenn man weiß, dass der 1932 erschienene Roman „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley im Original „Brave new world“ heißt und dieser Titel sich auf ein Stück von besagtem William Shakespeare („Der Sturm“) bezieht. Und richtig rund wird die Geschichte, wenn wir mit der in der Überschrift gestellten Frage direkt zum Punkt und damit zur Börse gelangen, präziser zu den Meme-Aktien. Meme was?

Pump and Dump

Das Phänomen der Meme-Aktien/-Stocks ist relativ neu, wobei diese Gruppe weder den Value- noch den Growth-Werten zugeordnet werden kann. Es handelt sich vielmehr um eine scheinbar wahllose Ansammlung verschiedener Titel wie beispielsweise GameStop (Computerspiele-Einzelhandel), BlackBerry (Smartphones), AMC (Kinokette), Nokia (Telekommunikation) oder hierzulande windeln.de (der Name ist Programm) und REALTECH (IT-Software und -Dienstleistungen). Die verbindenden Merkmale dieser doch sehr unterschiedlichen Unternehmen sind A mehr oder weniger schwache Geschäftszahlen mit entsprechend niedrigen Bewertungen/Aktienkursen und B, jetzt wird es spannend, ein gesteigertes Interesse in diversen Online-Trading-Communities wie Reddit und dessen Subreddit WallStreetBets, StockTwits oder auch ganz „klassisch“ auf Twitter. In diesen Foren verabreden sich Anleger*innen zum Sturm (!) aufs Trading-Establishment; mit gezielten Tweets und Transaktionen werden die Kurse in schwindelnde Höhen getrieben, um anschließend im Zuge einsetzender Gewinnmitnahmen wieder in sich zusammenzubrechen („Pump and Dump“). Klingt nach Aufregung und Spaß?

FOMO

Ja und nein. Eher ja, wenn der Einstieg recht - im Sinne von frühzeitig erfolgt und auch der Ausstieg gut getimt ist. Eher nein, wenn die FOMO (= Fear of missing out), die Angst, etwas zu verpassen, Anleger bei Höchstpreisen kaufen lässt, womit Kurs- und Depotverluste quasi vorprogrammiert sind. Schöne neue (Anleger-)Welt also? Für manche vielleicht, für alle sicher nicht. Wer mit zweistelligen Kursausschlägen nach beiden Seiten binnen kürzester Zeit und entsprechend hohen Volatilitäten deshalb aus guten Gründen fremdelt, kann den Blick stattdessen auf die arrivierten Hauptmärkte richten. Die glänzten in dieser Woche zunächst mit neuen Allzeithochs (Nasdaq 100, S&P 500 oder auch der heimische MDAX, aktuelle Bestmarke bei 34.889 Punkten) und machten dann, wie gestern im DAX gesehen, einen Schritt rückwärts. Dabei sackte der Index unter das markante Junitief (15.309) bis auf 15.304 und damit nur noch haarscharf oberhalb von 15.300 Zählern beziehungsweise an die 50-Tage-Linie zurück. Dass die in den zurückliegenden Wochen/Monaten als wichtige Unterstützung fungierte und zu (Nach-)Käufen genutzt wurde, haben meine geschätzten Kollegen im SG Active Trading-Webinar (die Aufzeichnung finden Sie hier) schon herausgestellt. Ob der Rutsch an die untere Begrenzung der zuletzt vorherrschenden Seitwärtsrange auch diesmal zum Einstieg und einer Erholung mit Ziel 16.000er-Marke genutzt wird? Die Antwort gibt es in der nächsten Woche!

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