Eine gute Nachricht

Während der Krieg in der Ukraine bereits vier Wochen andauert, gehen auch die Unsicherheiten an den Märkten unvermindert weiter. Dabei gibt es, wenn man das denn so nennen will, wenigstens eine halbwegs gute Nachricht: Der VDAX-NEW (WKN A0DMX9), das sogenannte „Angstbarometer“, ist seit seinem Höchststand bei 48,62 Anfang März mittlerweile ein ganzes Stück zurückgekommen. Will heißen, die Marktteilnehmer*innen rechnen mit weniger starken Kursschwankungen, als das noch vor gut drei Wochen der Fall war. Die Betonung liegt jedoch auf „weniger stark“, denn mit Notierungen um 30 Punkte ist der Volatilitätsindex noch weit von den „normalen“ Ständen zwischen 15 und 20 Zählern entfernt. Zum Vergleich:

Lage? Unverändert!

Die Themen, die in dieser Handelswoche das Markt- und Kursgeschehen bestimmten, waren leider immer noch dieselben. Denn der Krieg in der Ukraine geht mit aller Härte weiter und auch die Zinserhöhung der US-Notenbank – der Leitzins wurde um 25 Basispunkte angehoben, die Zinsspanne liegt nun zwischen 0,25 und 0,50 Prozent – war im Vorfeld über Wochen ausgiebig diskutiert und zu guter Letzt genauso erwartet worden. Für die Börsen bedeutete das eine Fortsetzung der volatilen Kursbewegungen, wobei jedes kleine Zeichen einer möglichen Annäherung zwischen Russland und der Ukraine mit Ausschlägen auf der Oberseite gefeiert wurde. Aber:

Im Bärenmarkt

Der Krieg in der Ukraine hält an, und während die Energiepreise als unmittelbare Folge in immer neue Höhen katapultiert werden oder der Goldpreis an der 2.000-Dollar-Marke kratzt, stecken die Aktienmärkte in einem für Krisen typischen Bärenmarkt fest. Immerhin hat es in dieser Woche – genau genommen zur Mitte derselben – zu einer ebenfalls typischen Bärenmarkt-Rallye gereicht:

Klares Signal

Mit einer großen Mehrheit verurteilte die UN-Vollversammlung am Mittwoch in einer extra dafür einberufenen Dringlichkeitssitzung den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. 141 Mitgliedsstaaten stimmten für eine entsprechende Resolution, 35 Länder (inklusive China) enthielten sich, lediglich fünf stimmten dagegen. Russlands schamloser Bruch des Völkerrechts hat die Welt schockiert. Quartalsberichte und Wirtschaftsdaten (wie beispielsweise die jüngsten Inflationszahlen, die hierzulande im Februar auf 5,1% gestiegen sind, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Oder die heutigen Arbeitsmarktdaten in den USA… und so weiter) gerieten in den Hintergrund und wurden binnen kürzester Zeit von den schrecklichen Bildern des Krieges verdrängt. Auch an den Märkten sind die Spuren dieses Krieges deutlich sichtbar:

Aktienmärkte unter Druck

Die russische Invasion in der Ukraine und die damit verbundene Eskalation im Russland/Ukraine-Konflikt hat die westliche Welt, aber auch die Aktienmärkte rund um den Globus kalt erwischt. Für DAX, Dow Jones und all die anderen Börsenbarometer ging es deutlich abwärts. Trotz der heutigen Gegenbewegung steht beispielsweise beim deutschen Leitindex für diese Woche ein Minus von über 5% zu Buche. Im Tief sind die heimischen Blue Chips dabei am gestrigen „Schwarzen Donnerstag“ bis auf 13.807 Punkte abgerutscht – damit fehlten nur noch 12 Pünktchen bis zum Vor-Corona-Top, das am 17. Februar 2020 bei 13.795 Zählern aufgestellt wurde. Zwei Jahre Börsenrallye ausradiert. Naja, beinahe, zur Schlussglocke schob sich der Index zurück über die rettende 14.000er-Schwelle. Ob die aktuelle Stabilisierung/Erholung aber schon als Turnaround durchgeht, muss sich in den kommenden Sitzungen erst noch bestätigen. Immerhin sind die nächsten Chartmarken einigermaßen klar umrissen:

Die Angst auf dem Parkett

Die Angst geht um, auf dem Parkett. Und zwar nicht nur vor einem russischen Angriff auf die Ukraine. Sondern auch vor weiter fallenden Kursen, vor allem in Verbindung mit immer weiter steigenden Preisen. Denn die Kriegsgefahr im Osten Europas ist das eine. Die unvermindert ansteigenden Kosten für Energie et cetera sind das andere. Knapp 97 US-Dollar kostete ein Barrel (= 159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent am Montag und damit so viel wie seit fast acht Jahren nicht mehr. Dabei hatte das schwarze Gold schon im vergangenen Jahr ein sattes Plus von rund 50% eingefahren. Der Preis für Erdgas ist ebenfalls wieder nach Norden abgedreht und nimmt wieder Kurs auf das bisherige Jahreshoch. Gleichzeitig melden die heimischen Gasspeicher historisch niedrige Füllstände für Mitte Februar. Nachdem der Frühling aber beinahe schon vor der Tür steht, dürfte sich die Lage sowohl am Öl- als auch am Gasmarkt zumindest mittelfristig etwas entspannen. Oder?

Hätte, hätte, Lieferkette

Wir haben ein Lieferkettenproblem! Das legen zumindest die Meldungen in den einschlägigen On- und Offline-Medien nahe, und auch beim Supermarkt um die Ecke ist das ein oder andere Regal in letzter Zeit eher übersichtlich sortiert. „Lieferengpässe bremsen Industrie und treiben Preise“ heißt es deshalb auch in einem Dossier des Statistischen Bundesamtes, verbunden mit dem Hinweis, dass in der Industrie die Nachfrage das Angebot derzeit übersteigt. Dazu passend sind die Gewinne der DAX-Konzerne 2021 mit den bereits kolportierten 115 Milliarden Euro auf eine neue Rekordmarke geklettert. Dabei hat sich die Profitabilität mehr als verdoppelt, wie das Handelsblatt berichtet – schließlich sind die Umsätze lediglich um 10% gestiegen, während die bereits erwähnten Gewinne unglaubliche 170% zulegen konnten. Ob diese irre Performance 2022 wiederholt werden kann, darf oder muss jedoch, Stand heute, erst einmal bezweifelt werden. Das sehen auch die Unternehmen selbst so, denn in dieser Berichtssaison gab es bislang noch nicht allzu viele rosige Ausblicke. Wie sehr das einen Aktienkurs beeinflussen kann, hat sich in dieser Woche bei Delivery Hero gezeigt:

Märkte in Bewegung

Marktbewegende Ereignisse hatten wir in dieser Woche nun wahrlich reichlich. Teils sogar mit historischem Ausmaß, wie beispielsweise bei Meta Platforms, Mutterkonzern von Facebook. Nachdem die Zahlen durchweg unter den Erwartungen von Anlegern und Analysten lagen, krachte die Aktie 26% in die Tiefe. Damit lösten sich binnen eines Tages stolze 250 Mrd. USD an Marktkapitalisierung in Luft auf – laut der Nachrichtenagentur Bloomberg der größte Verlust, den die Wall Street bis dato an einem Tag gesehen hat. Die „schöne neue Meta-Welt“ kostet den Konzern von Mark Zuckerberg Milliarden, ebenso wie der App-Streit mit Apple. Seit dem Betriebssystem-Update iOS 14.5 im April 2021 sorgt Apple bei seinen iPhones für "App Tracking Transparency", damit kann der Datenverwendung durch Facebook & Co aktiv und per One-Click widersprochen werden. Das trifft Facebooks Kerngeschäft an einem empfindlichen Punkt, gleichzeitig wächst mit Tiktok ein ernstzunehmender Konkurrent um die Zahl der Nutzer, die bei FB im vergangenen Quartal sogar um eine Million zurückging. Ganz anders dagegen Alphabet:

Die Lage ist ernst

Ît is what it is, die Lage ist ernst. Vorbei sind die lockeren Zeiten, in denen die Zinsen unter Null und die Aktienkurse über den Wolken schwebten. Die Zinswende ist da, und mit ihr scheinbar das Ende der Partystimmung an den Märkten. Nun kommt das Ganze, wenn wir ehrlich zueinander und uns selbst sind, nicht wirklich überraschend. Dreistellige Kursgewinne (konkret: 148% im Nasdaq 100) binnen 20 Monaten (konkret: seit dem Corona-Crash im März 2020) wurden von den Anlegern zwar gefeiert, aber – dass diese Rallye ewig korrekturfrei weitergehen würde, davon haben wohl nur die größten Optimisten und Superbullen geträumt. Stattdessen hatten die Bullen zuletzt Sendepause. Denn die Märkte sind in dieser Handelswoche zum ersten Mal seit langem so richtig in die Knie gegangen:

Märkte zwischen Allzeithoch und Korrektur

„Märkte zwischen Allzeithoch und Korrektur“, unter dieses ebenso eingängige wie zweideutige Motto haben meine geschätzten Kollegen Birgit Klein und Sebastian Hoffmann ihre Folge des SG Active Trading Webinars gestellt. (Wer die Veranstaltung am Mittwoch verpasst hat, kann sich übrigens hier die Aufzeichnung ansehen, es lohnt sich, wie eigentlich immer.) Thema war – und ist es auch hier im heutigen Market Mover – der einigermaßen interessante Börsenstart der Märkte ins neue Jahr. Denn während es für einige bereits auf neue Allzeithochs ging, sind andere damit beschäftigt, ihre Wunden nach veritablen Kursstürzen zu lecken. Okay, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, dennoch hat, um ein erstes Beispiel zu nennen, die Sartorius Vorzugsaktie – 2021 mit einem Plus von knapp 76% noch der absolute Überflieger im auf 40 Werte aufgestockten DAX – seit Jahresbeginn bereits rund 21% verloren. Seit dem amtierenden Allzeithoch vom 30. November bei 631,60 Euro haben die Papiere im Tief sogar fast 31% an Wert eingebüßt. Und für alle, denen der Medizin- und Laborausrüster aus Göttingen vielleicht nicht prominent genug ist:

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