Jetzt wird es ernst

Es gibt ja eine Vielzahl unterhaltsamer bayerischer (beziehungsweise süddeutscher) Redensarten. Eine meiner liebsten geht so: „Da hat der Spaß ein Loch!“. Gemeint ist damit, dass der Spaß jetzt ein Ende hat, oder auch, dass es ernst wird. Und wie es der Zufall will, gibt es an diesem Wochenende sogar einen Bezug zu einem echten Loch, wenn Sie so wollen. Die Rede ist, Sie ahnen es sicher schon, vom alljährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole (sic!). Das ansonsten recht verlassene Tal im US-Bundesstaat Wyoming ist seit Donnerstag Schauplatz des „Jackson Hole Economic Symposium“, wie die Veranstaltung mit vollem Namen heißt, und damit blicken vor allem die Akteure an den Aktienmärkten voller Spannung auf das, was da wohl Neues kommen mag, in Sachen Geld- und Zinspolitik. Das heißt:

Mission Impossible

Mit der heutigen Überschrift starten wir wieder einmal cineastisch. Dabei kommen die nächsten beiden Teile der gleichnamigen Filmreihe – eine Doppelfolge mit den Nummern 7 und 8 – planmäßig erst 2023 und 2024 in die Kinos. Am Hauptdarsteller Tom Cruise kommen Cineasten allerdings schon in diesem Jahr nicht vorbei, denn mit dem Top Gun-Sequel „Maverick“ erzielte der mittlerweile 60-Jährige das bislang beste Einspielergebnis seiner Karriere. Auf einer ganz anderen „Mission Impossible“ befinden sich derzeit die Aktienmärkte, denn da versuchen DAX, Dow Jones und Co sich weiterhin an einer Erholung beziehungsweise Sommerrallye – und das, obwohl das Marktumfeld unverändert angespannt beziehungsweise kritisch bleibt. Mit Blick auf den deutschen Leitindex bedeutet das:

Trendwende oder Bärenmarktrallye? Teil II

Ist das Ding mit der Inflation und dem Bärenmarkt tatsächlich „schon durch“? Fast könnte man es meinen. Die heutige Überschrift, als Frage formuliert, bringt es auf den Punkt: was ist das eigentlich, was wir das gerade an den Märkten erleben? Ist das Ding tatsächlich „schon durch“, wie wir bereits vor zwei Wochen an dieser Stelle mutmaßten? Fast könnte man es meinen, zumal die „Das Schlimmste ist überstanden“-Fraktion in dieser Woche auch unerwarteten Rückenwind aus Übersee erhielt. Denn die Verbraucherpreise in den USA stiegen im Juli – verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresmonat – nicht ganz so hoch, wie von den Experten angenommen. Während die Teuerungsrate im Juni noch um 9,1% zulegte, waren es im Folgemonat „nur“ 8,5% – und damit weniger als die vorher geschätzten 8,7%. Das mag nun nach Erbsenzählerei klingen, die Wirkung an den Aktienmärkten war indes eindeutig:

Trendwende oder Bärenmarkrallye?

Nachdem das erste Halbjahr 2022 dem DAX ein Minus von 19,5% einbrockte, fiel auch der Start ins zweite Semester zunächst ins Wasser. Am 5. Juli rutschten die Kurse nämlich bis auf 12.391 Punkte ab und markierten dort ein neues Jahrestief. Exakt einen Monat später sieht die Börsenwelt allerdings schon wieder ganz anders aus: 11,3% konnte der deutsche Leitindex seit dem besagten Tiefststand mittlerweile zulegen und in der Spitze am gestrigen Donnerstag bis auf 13.792 Zähler klettern. Damit fehlten dem Index nur noch zwei Pünktchen bis zum Vor-Corona-Top – also dem 2020er-Februar-Hoch bei 13.795 Punkten.

Das Ding ist durch!

Es ist nicht zu übersehen, aber das Zins-Ding ist durch! 75 Basis- oder 0,75 Prozentpunkte betrug die jüngste Zinserhöhung durch die US-Notenbank, doch die Reaktion an den Märkten blieb sehr übersichtlich, man könnte auch sagen, sie blieb aus. Stattdessen wurden die nicht-ganz-so-schlecht-wie-erwartet ausgefallenen Quartalszahlen von Microsoft, Amazon und Apple, um mal die Big Player zu nennen, mit steigenden Aktienkursen gefeiert. Nicht ganz so gut lief es dagegen für Meta Platforms, formerly known as Facebook; zum ersten Mal seit dem Börsengang im Mai 2012 musste der Konzern einen Umsatz- und Gewinnrückgang vermelden, auch wenn das zu einem großen Teil der unerwarteten Dollar-Stärke geschuldet war, schließlich drückt der starke Greenback auf etwaige Einkünfte aus dem Ausland. Folgerichtig ging es für die Aktie an der Nasdaq am gestrigen Donnerstag abwärts, wobei das bisherige Jahrestief bei 154,27 USD dem Verkaufsdruck standhalten konnte. Und:

Nicht mehr aufzuhalten

Wenn Sie mich fragen, ist die E-Mobilität nicht mehr aufzuhalten. Womit ich mich keineswegs auf elektrisch angetriebene Kraftfahrzeuge beschränken möchte, sondern auch stromernde Fahrräder, Scooter und derlei mehr meine. Insbesondere die erstgenannten Zweiräder haben in unserer kleinen Welt einen wahren Siegeszug angetreten, denn nachdem ich schon seit Monaten elektrifiziert in die Pedalen trete, haben die geschätzten Kollegen im Voralpenland nun entsprechend nachgezogen und aufgerüstet. Mit durchschlagendem Erfolg und wachsender Begeisterung, wie zu vernehmen war. Und wenn wir schon beim Thema sind, dann machen wir gleich weiter, mit der Begeisterung, denn eine solche lösten auch die neuesten Quartalszahlen von E-Autobauer Tesla aus. Im Detail:

Teuer, teurer, 2022

das Leben ist teuer und wird auch immer teurer, wenn man den aktuellen Prognosen beziehungsweise Auswertungen Glauben schenkt. Mit 9,1% lagen in dieser Woche beispielsweise die Verbraucherpreise in den USA (im Vergleich zum Vorjahresmonat) nicht nur klar über den Erwartungen (8.8%), sondern auch auf dem höchsten Niveau seit 40 Jahren. Die US-Erzeugerpreise, die als eine Art Vorlaufindikator gelten, zogen im Juni sogar um 11,3% an, wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Die hohe Inflation ist aber nicht nur ein amerikanisch-europäisches Problem. Weltweit liegt die erwartete Inflationsrate für das Jahr 2022 im Schnitt bei 7,7%, wie dem gestern veröffentlichtem Economic Experts Survey (EES) vom ifo Institut und des Schweizer Instituts für Wirtschaftspolitik zu entnehmen war. Das wiederum ruft die Notenbanken auf den Plan:

Kein Grund zur Entspannung

Die Lage bleibt ernst und damit auch entsprechend angespannt. Denn die Hiobsbotschaften reißen einfach nicht ab. So gibt es beispielsweise keine Entwarnung beim Thema Gaslieferungen, das derzeit wohl größte Damoklesschwert, das über der deutschen Wirtschaft hängt. Schwer wiegt allerdings auch die allgegenwärtige Inflation, die nicht zuletzt aufgrund der brachial gestiegenen Gaspreise, siehe oben, auf den Unternehmen und den Verbrauchern lastet. Wobei vor allem Letztgenannte erst um den Jahreswechsel herum mit der vollen Härte des Preisanstiegs konfrontiert werden dürften – dann nämlich, wenn die Nachzahlungen für die Jahresabrechnungen ins Haus oder die Wohnung flattern. Bei den Erstgenannten hat sich allerdings jetzt schon eine echte Versorger-Lücke aufgetan:

Ab in den Süden

Es geht abwärts, und zwar schneller als noch vor einiger Zeit gedacht. So zum Beispiel bei den Konjunkturprognosen, die quasi laufend nach unten korrigiert werden. Während das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW im Februar noch ein Wirtschaftswachstum von +3% für das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2022 prognostizierte und die Bundesregierung im April einen Wert von +2,2% erwartete, rechnet das Institut für Wirtschaftsforschung Halle IWH im Juni mit einem BIP-Wachstum von nur noch 1,5%. Eine Übersicht über die „Prognosen zur Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts“ finden Sie unter anderem hier. Und während es für die Erwartungen beim Wirtschaftswachstum nach unten ging, begab sich auch die europäische Gemeinschaftswährung auf Talfahrt:

Gipfelzeit

Es ist mal wieder Gipfelzeit! Zum Beispiel in Brüssel, wo die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union seit dem gestrigen Donnerstag unter anderem darüber beraten haben, ob die Ukraine (und das kleine Nachbarland Moldau, ebenfalls ehemalige Sowjetrepublik) offiziell in den Kreis der EU-Beitrittskandidaten aufgenommen werden soll. Weiter geht es dann am Sonntag im äußerst malerisch gelegenen Schloss Elmau im schönen Wettersteingebirge, wo sich die G7-Vertreter erneut vor allem mit der Ukraine befassen werden. Aber auch Klimaschutz und Stärkung der Demokratien stehen auf der Agenda, weshalb die G7-Gäste inklusive Gastgeber Olaf Scholz kaum Gelegenheit haben dürfte, das „Luxury Spa Retreat & Cultural Hideaway“, so die Selbstbezeichnung, auch so richtig zu genießen. Ab Dienstag bildet das große NATO-Treffen in Madrid dann den Abschluss dieser Gipfel-Trilogie, bei dem es hauptsächlich um die Weigerung der Türkei in Sachen Norderweiterung (= Beitritt Schwedens und Finnlands) gehen soll. Und die Märkte?

Melden Sie sich jetzt für den Market Mover an - 100% kostenfrei, topaktuell und jederzeit abbestellbar.

Hinweispflicht nach §34b WpHG: Die Prime-Quants.de-Redaktion ist in genannten Wertpapieren / Basiswerten zum Zeitpunkt des Publikmachens des Artikels eventuell investiert. Es liegt möglicherweise ein Interessenskonflikt vor. In der Regel finden Sie im Artikel selbst einen Hinweis darauf, falls dem so ist. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Disclaimer: Der Inhalt der Webseite ist nicht als Angebot zum Erwerb der hier oder auf weiterführenden Webseiten beschriebenen Produkte zu verstehen. Die auf der Webseite angezeigten Inhalte sind unverbindlich und dienen lediglich zu Informationszwecken. Die zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung zum Erwerb der beschriebenen Produkte dar. Die Informationen zur Wertentwicklung in der Vergangenheit bieten keine Gewähr für zukünftige Erträge. Aussagen die Zukunft betreffend sind immer risikobehaftet. Die Inhalte unserer Seiten erstellten wir mit größter Sorgfalt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit Aktualität und Angemessenheit der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen. Als Diensteanbieter sind wir gemäß § 7 Abs.1 TMG für eigene Inhalte auf diesen Seiten nach den allgemeinen Gesetzen verantwortlich. Nach § 8 bis § 10 TMG sind wir als Diensteanbieter jedoch nicht verpflichtet, übermittelte oder gespeicherte fremde Informationen zu überwachen oder nach Umständen zu forschen, die auf eine rechtswidrige Tätigkeit hinweisen. Verpflichtungen zur Entfernung oder Sperrung der Nutzung von Informationen nach den allgemeinen Gesetzen bleiben hiervon unberührt. Eine diesbezügliche Haftung ist jedoch erst ab dem Zeitpunkt der Kenntnis einer konkreten Rechtsverletzung möglich. Bei Bekanntwerden von entsprechenden Rechtsverletzungen werden wir diese Inhalte umgehend entfernen. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung von Prime Quants wieder und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Wir behalten uns das Recht vor jederzeit die Webseite teilweise oder vollständig zu verändern, den Betrieb einzuschränken oder zu beenden. Das Recht diese Bedingungen jederzeit zu ändern oder zu ergänzen wird von den Betreibern vorbehalten. Die durch die Seitenbetreiber erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Vervielfältigung der Seiten oder ihrer Inhalte bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Urhebers. Soweit die Inhalte auf dieser Seite nicht vom Betreiber erstellt wurden, werden die Urheberrechte Dritter beachtet. Insbesondere werden Inhalte Dritter als solche gekennzeichnet. Sollten Sie trotzdem auf eine Urheberrechtsverletzung aufmerksam werden, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden wir derartige Inhalte umgehend entfernen. Detaillierte Informationen können Sie hier einsehen: Disclaimer