Schicht im Schacht!

Was ist denn los, in diesem Land? Wir haben Pandemie, und keiner geht hin? Nein halt, der Spruch ging irgendwie anders, aber jetzt mal ernsthaft: Da draußen grassiert ein Virus, das unschöne Krankheitsbilder bis hin zum Tod verursachen kann. Dass dies nur auf einen geringen Prozentsatz der Infizierten zutrifft, mag vordergründig beruhigen. Allerdings ist dieses Virus – oder besser die Spätfolgen einer Infektion – noch weitgehend unbekannt. Was einen allzu sorglosen Umgang mit der Bedrohung irgendwie leichtsinnig wirken lässt. Deshalb: Mundschutz auf, Abstandshalter an und Händewaschen nicht vergessen! Andernfalls ist schneller wieder Schicht im Schacht, als es vielen lieb sein dürfte. Das gilt auch für die vielzitierte Wirtschaft. Der stehen ohnehin düstere Zeiten bevor, auch wenn die Börsenkurse zuletzt anderes signalisierten. Ein Beispiel:

In den Startlöchern!

Ja ist denn heut‘ schon wieder Freitag? Offensichtlich, sonst wären wir alle ja nicht hier… ich weiß nicht genau, wie es Ihnen geht, aber diese Kar- bzw. Osterfeiertage bringen meinen Börsen-Biorhythmus immer völlig durcheinander. Kaum ist die Gründonnerstagsausgabe des Market Mover versandt, steht schon gefühlt die nächste ins Haus. Verstärkt wird dieses Gefühl natürlich von der Tatsache, dass seit unserem bislang letzten Zusammentreffen hier an dieser Stelle eben tatsächlich nur dreimal gehandelt wurde, zumindest bei der DAX-Familie. Dementsprechend dünn ist die Faktenlage, denn viel ist nicht passiert. Hier der Überblick:

Market Mover: An Ostern nichts Neues!

Kurze Verbeugung vor dem Schriftsteller Erich Maria Remarque, dessen Todestag sich 2020 zum 50. Mal jähren wird und dessen bis heute weltbekanntes Antikriegs-Werk „Im Westen nichts Neues“ vor 90 Jahren und damit mitten in der Großen Depression verfilmt wurde. Womit wir auch schon die beiden, anhaltend alle Schlagzeilen bestimmenden Themen dieser Woche aufgezählt hätten – der Krieg der Länder gegen das Corona-Virus und die Angst vor der ganz großen Weltwirtschaftskrise, die aktuell in der Diskussion um „Exit oder nicht Exit“ mitschwingt. Dabei ist die Lage nach Zahlen eindeutig:

adidas - Das war knapp!

Eigentlich wollte ich diese Text nämlich mit einem flammenden Appell an bzw. gegen adidas beginnen. Sie wissen schon, Solidarität, Teamgeist, all so etwas. In Gedanken bzw. groben Zügen hatte ich mich auch schon in mittlere Rage fabuliert, nicht zuletzt unterstützt von der geschätzten Kollegin, die aus ihrer Sympathie für das Unternehmen mit den drei Streifen bis dato kaum einen Hehl gemacht hat. Und die daher ebenso konsterniert auf das Mieten-Gate der Herzogenauracher reagierte wie viele andere. Soweit ich weiß, hat sie ihr Real Madrid-Trikot dabei zwar nicht in Brand gesetzt, allerdings hat wohl nicht viel gefehlt. Doch dann das:

Nagelprobe!

in der vergangenen Ausgabe hatten wir an dieser Stelle noch den Wunsch geäußert, dass bitte alles gut werden möge. Doch die Zeiten haben sich schon wieder grundlegend geändert. Was natürlich einerseits der weiterhin extrem dynamischen Lage geschuldet ist, in der sich die Welt derzeit befindet. Andererseits zeichnet sich eine Lagerbildung ab: #stayhome ist da beispielsweise eine Fraktion, die länder- und parteiübergreifend auf den sicheren Rückzug in den eigenen vier Wänden setzt. Doch es gibt auch andere Stimmen, nämlich solche, die eine möglichst zügige, reibungslose Rückkehr zum Tagesgeschäft fordern. Back to business, Zeit ist Geld, und money makes the world go round, weiß doch jedes Kind, selbst wenn es gerade daheim am Küchentisch beschult wird. Selbstverständlich hat sich gegen dieses Lager sofort Widerstand gebildet, zum Beispiel unter dem Hashtag #DontDie4WallStreet. All das zeigt, wie groß die Verwerfungen in unserer gewohnten Welt sind. Und die Angst – oder besser Ängste, um die Gesundheit, das Leben, die Zukunft, den Job, das Depot und die Dividende. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Das alles spiegelt sich auch auf dem Parkett wider:

Andrà tutto bene!

„Andrà tutto bene“, mit dieser Parole machen sich unsere italienischen Freunde*innen in diesen Tagen Mut. Und es ist ihnen, die vom Coronavirus so besonders schwer getroffen sind, zu wünschen, dass tatsächlich alles wieder gut wird. Wobei die Frage gestellt werden kann, was dieses „alles“ eigentlich umfasst. Das ist allerdings nicht unsere Aufgabe hier und heute, da beschränken wir uns wie gehabt auf die Analyse dessen, was an den Börsen in dieser Woche so vor sich gegangen ist. Das war, wie nicht anders zu erwarten, einiges gewesen. Und – auch das überrascht nicht wirklich angesichts der Krise, in der sich die Welt gerade befindet – es war auch vieles alles andere als gut. Im Detail:

Market Mover: Au weia!

Tja, was soll ich Ihnen sagen? Sie sehen ja selbst, was los ist. DAX-Punktestand aktuell 9.400 Punkte. Oder so, die Lage ist dynamisch! Passenderweise ist heute auch gleich Freitag, der 13., was dem Weltuntergangscharakter dieser Handelswoche irgendwie das Krönchen aufsetzt. Ordnen wir die Ereignisse aber zunächst in der chronologischen Reihenfolge ein: In der Nacht zu Montag kollabieren die Ölpreise, nachdem sich (in der Kurzversion) Saudi-Arabien und Russland nicht über eine Fördermengenkürzung einigen können. Die Aktienmärkte erleiden an diesem „Schwarzen Montag“ den nächsten Kursrutsch, der Handel an der Wall Street wird für 15 Minuten ausgesetzt. In der Nacht zu Donnerstag ringt sich US-Präsident Trump zu ersten Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus bzw. dessen Folgen durch und verhängt ein 30-tägiges Einreiseverbot für Europäer. Die Reaktion der Börsen folgte auf dem Fuß:

Rohöl – Der Ende des Preisverfalls oder nur eine Gegenreaktion?

Erdöl ist im freien Fall – vielleicht ist der Preis aber auch schon am Boden aufgeschlagen. Nach massiven Kurseinbrüchen konnte der Kurs von Rohöl (Brent) am Mittwoch wieder um fast 8 Prozent zulegen. Allerdings zeigen die Pfeile aktuell erneut nach unten – heißt das, die Erholung gestern war nur eine technische Gegenreaktion? Das sagt der Chart:

Market Mover: Echt jetzt?!

Der Wahnsinn geht weiter! Damit ist nicht nur das Kursgeschehen an den Börsenplätzen rund um den Globus gemeint, nein, auch die Lage hier, da und dort spitzt sich immer mehr zu. Dabei heben wir hier gar nicht erst den berühmten Zeigefinger, sondern beschränken uns auf vielsagendes Augenbrauenheben und Stirnrunzeln. Denn es ist schier Ungeheuerliches geschehen, in dieser Woche. Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins völlig überraschend um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. 0,5 Prozentpunkte, das hört sich erst einmal wenig an, ist in der Welt der Zinsen aber eine… Welt! Schließlich wird üblicherweise in 0,25-Prozentpunkt-Schritten gesenkt, wenn überhaupt. Kritisch daran ist das Zeichen, das die Währungshüter damit aussenden: „Seht, wir reagieren sofort, kaum dass die Märkte einen Schritt zurückmachen!“ Mit anderen Worten – der Corona-Crash zeigt weiter Wirkung. Vor allem auf, aber auch neben dem Parkett. Hier ein Überblick:

Frauen und Kinder zuerst!

Im Jahr 1852 rammte die HMS Birkenhead vor der Küste Südafrikas einen Felsen und sank. Da der Truppentransporter deutlich weniger Platz auf den Rettungsbooten als Passagiere an Bord hatte, gab Oberstleutnant Alexander Seton das Kommando „Frauen und Kinder zuerst (in die Boote, Anm. der Redaktion)!“. Seton überlebte das Unglück nicht (anders als die 25 Frauen und 31 Kinder), doch die Verhaltensregel (wenngleich schon einige Jahre früher bei anderen Ereignissen praktiziert) ist seitdem als „Birkenhead Drill“ bekannt. Warum ich das heute erzähle? Nun – mit irgendeinem Einstieg muss dieses Editorial schließlich beginnen, und da ich mich außerstande sehe, das aktuelle Marktgeschehen einigermaßen ernsthaft zu kommentieren, habe ich mich für diesen Ausflug in die Geschichte der Seenotrettung entschieden. Und so ganz ist der Bezug zum Untergang der Aktienmärkte auch nicht von der Hand zu weisen, wie ich finde. Denn:

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