Sebastian Jonkisch

Sebastian Jonkisch

Wann, wenn nicht jetzt?

vielleicht kann sich der eine oder die andere von Ihnen noch an den niederländischen Entertainer Rudi Carrell erinnern. Der Sänger, Schauspieler und Showmaster, dessen Todestag sich im Juli 2021 bereits zum 15ten Mal jährt, hat vor allem in den 1970ern mit der Spieleshow „Am laufenden Band“ ganz Deutschland unterhalten. Und im Jahr 1975 zudem einen Hit gelandet, als er die Frage „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ musikalisch vertonte. Das, also Sommer, wäre aktuell natürlich deutlich verfrüht, allerdings wäre ich schon froh, wenn wir überhaupt erst einmal einen vernünftigen Frühling bekämen. Während ich nämlich über die Neuinterpretation des alten Carrell-Songs nachsinne, zieht am Horizont die nächste Wolkenwand auf, die eher Schnee und Graupel als das von Eduard Mörike schon 1829 beschriebene „flatternde blaue Band“ verheißt. Von zartem Grün jedenfalls erst einmal kaum eine Spur, und das gilt in gewisser Weise auch für den Verlauf in dieser Handelswoche. Der DAX zumindest trat über weite Strecken auf der Stelle, denn die Musik spielte zunächst andernorts:

Die K-Frage

Landauf, landab bewegt die Menschen derzeit offensichtlich vor allem eine Frage: wer kann Kanzler? Oder wenigstens Kandidat? In der Summe Kanzlerkandidat, um die K-Frage auf die Spitze zu treiben. Armin Laschet, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens oder doch dessen bayerischer Amtskollege Markus Söder? Selten wirkte die Union so uneins, und auch seitens des Bund-Länder-Konsortiums, um es einmal so zu nennen, ist von einer einheitlichen Strategie auf weiter Flur immer noch nichts zu sehen. Dabei gilt doch eigentlich „bereit sein ist alles“, um einen berühmten Satz aus einem noch berühmteren Theaterstück („Hamlet“, William Shakespeare) zu zitieren. Eine weitere K-Frage beschäftigt allerdings auch die (deutschen) Anleger:

Market Mover: Frohe Ostern!

Geht das Ihnen manchmal auch so? Just wenn sich ein Zu- bzw. Umstand zu manifestieren scheint und man ihn zum ersten Mal aus- bzw. bespricht, löst sich derselbe schon in Wohlgefallen auf. Dieser Eindruck überwiegt bei mir jedenfalls gerade, denn während ich in der Vorwoche an dieser Stelle über den anhaltenden Stillstand fachsimpelte – oder lamentierte, wenn Sie so wollen – machte sich der deutsche Leitindex daran, neue Maßstäbe in Sachen Rekordhoch zu setzen. Nachdem die Bullen schon am vergangenen Freitag das Ruder übernahmen (in diesem Zusammenhang die frohe Kunde, dass der havarierte Containerriese im Suez-Kanal aus seiner misslichen Lage befreit werden konnte), gelang am Dienstag der Sprung über die 15.000er-Barriere. Und zwar nicht nur intraday mit einem Top bei 15.030 Punkten, sondern auch gleich auf Schlusskursbasis. Zur Erinnerung – den ersten Lupfer über die 14.000er-Schwelle wagten die heimischen Blue Chips am 8. Januar, das ist nicht einmal ein Vierteljahr her! Die Folge:

Der Stillstand geht weiter

Beginnen wir das heutige Editorial doch einfach mal mit einem Oxymoron. Oxywas? Oxymoron, Sie wissen schon, dieser rhetorische Kniff, bei dem, wie Wikipedia weiß, „eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen gebildet wird, z. B. „alter Knabe“. Hier und heute ist das also der Stillstand, der weiter geht, und gemeint ist damit unter anderem die Entscheidung der Bund-Länder-Konferenz, den Lockdown ein weiteres Mal zu verlängern und/oder zu verschärfen. Oder so, so genau weiß man das hinsichtlich der unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern, Landkreisen und Gemeinden schon gar nicht mehr. Immerhin: der vorösterliche Run auf die Discounter und Supermärkte wird nun wohl doch Gründonnerstag und Karsamstag stattfinden können – so viel Tradition muss auch in Pandemiezeiten sein! Aus den zwischenzeitlich geplanten und groß angekündigten Oster-Ruhetagen wird also nix, sorry. Nix war es in dieser Woche auch an den Aktienmärkten. Denn:

Die Macht der Zahlen

DER Termin in dieser gerade abgelaufenen Handelswoche war sicherlich die Sitzung der US-Notenbank am Mittwochabend (unserer Zeit). Dabei ging es weniger um die Leitzinsspanne (die unverändert zwischen Null bis 0,25% belassen wurde), sondern vielmehr um den Ausblick auf die künftige Ausgestaltung der Geldpolitik. Und da bleibt die Fed ihrem bisherigen Kurs treu – keine Abweichung von der eingeschlagenen Route bis Ende 2023, die milliardenschweren Anleihekäufe werden unvermindert fortgesetzt. Erhöht wurde dagegen die Prognose fürs US-amerikanische Wirtschaftswachstum. Rechneten die Währungshüter Ende Dezember noch mit einem Anstieg um 4,2%, sind es nun bereits 6,5%, um die das US-BIP im laufenden Jahr zulegen dürfte. In Deutschland erwarten die fünf Wirtschaftsweisen, der Sachverständigenrat der Bundesrepublik, übrigens einen Rückgang der Konjunktur, von zunächst prognostizierten 3,7% auf „nur noch“ 3,1%. Geschenkt, denn für die Börsen ging es trotzdem satt nach oben:

The only way is up

Dass meine sehr geschätzte Kollegin gerne Liedgut aus den 80ern des vorherigen Jahrhunderts intoniert, habe ich an der ein oder anderen Stelle bereits erwähnt. Dass sie in Marktphasen wie diesen bevorzugt „The only way is up“ von Yazz trällert, ist mittlerweile auch kein Geheimnis mehr. Und was soll ich sagen – sie hat ja nicht ganz Unrecht. Denn für die Aktienmärkte gab es zuletzt nur eine Richtung: aufwärts, und zwar mit Karacho! Im DAX stehen deshalb auch gleich mehrere neue Bestmarken, intraday und auf Schlusskursbasis, zu Buche, und an der Wall Street ging die Rekordjagd ebenfalls in die nächste Runde. Einzig für den Technologiesektor sah der Börsenhimmel zwischenzeitlich nicht ganz so rosig aus, denn der geriet beim neuen Run auf die alten Werte, wie sich der wiederentdeckte Liebe der Anleger zur Old Economy auch umschreiben lassen könnte, erst einmal so ein bisschen unter die Räder. Aber der Reihe nach:

Market Mover: Gute Nachrichten

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Zum Beispiel die frohe Kunde vom freudigen Ereignis im Berliner Zoo: erstmals seit 16 Jahren hat dort ein kleiner Gorilla das Licht der Welt erblickt, noch dazu ein Mädchen, ein wahrer Glücksfall für den Tierpark, denn nachdem die größte Menschenaffen-Art in Gruppen mit einem Silberrücken und mehreren Weibchen lebt, wird die kleine, derzeit noch namenlose Primatin wohl für eine ganze Weile in der Hauptstadt verbleiben. Übrigens – bis zum 8. März können noch Namensvorschläge unterbreitet werden; ich wäre ja für Marlene, in Anlehnung an eine andere, große Tochter dieser wunderschönen Stadt. Ziemlich gute Nachrichten kamen auch, zumindest kurzzeitig, vom deutschen Leitindex, der am Mittwoch auf ein neues Allzeithoch bei 14.197 Punkten kletterte und die bisherige Bestmarke damit um ein paar Pünktchen (konkret: 18 an der Zahl) nach oben schob. Das war es dann allerdings auch schon, denn anschließend ging es wieder abwärts. Das lag unter anderem an den schwachen Vorgaben aus New York, wo die Kurse teilweise deutlich nachgaben:

Rekordverdächtig

Der heutige Einstieg hat es in sich. Denn wir beginnen, aus mehr oder weniger aktuellem Anlass, mit dem Wetter. Das lässt sich nun bekanntlich kaum jemandem so richtig rechtmachen; dem einen ist es schon wieder zu heiß, der anderen immer noch zu kalt und einige klagen ohnehin bei jeder Gelegenheit über zu viel oder zu wenig Regen. Alle dürften sich jedoch darüber einig sein, dass der Februar in diesem Jahr wettermäßig nachgerade rekordverdächtig ausfiel. So wurde im westfälischen Lippstadt am 12. Februar ein Tiefstwert von -22,9°C gemessen, am 22. Februar dagegen kletterte das Thermometer bis auf 20,6°C, macht einen Temperaturunterschied von schlappen 43,5°C binnen zehn Tagen, das ist beinahe historisch! Zumindest muss der geneigte Hobby-Meteorologe (für mich übrigens eine der zungenbrecherischsten Berufsbezeichnungen, bevor die Epidemiologen vor gut einem Jahr die mediale Bühne betraten) lange in der Historie der Wetteraufzeichnungen suchen, um ähnliche Temperatursprünge zu finden – zuletzt kam es im Frühjahr 1880 zu einem Anstieg von 41°C innerhalb von nur sieben Tagen. Apropos Rekorde:

Für eine Handvoll Dollar

Eine weitere, ereignisreiche Woche liegt hinter uns. In der unter anderem 43 republikanische Senatoren ihre Ehre (und vielleicht auch die US-amerikanische Demokratie) für „eine Handvoll Dollar“ verkauften, um nach langer Zeit endlich wieder einmal einen Filmklassiker (1964, Regie und Drehbuch Sergio Leone) zu zitieren. Oder in der, nach der überraschenden Silbermedaille von Kira Weidle im Super-G der Damen, auch der zweite Platz bei der Herren-Abfahrt der Alpinen Ski-WM in Cortina d’Ampezzo an einen DSV-Rennläufer ging. Dabei verpasste Andreas Sander den Weltmeistertitel nur um eine einzige Hundertstelsekunde, Gold ging an den Österreicher Vincent Kriechmayr. Denkbar knapp scheiterte auch der DAX, und zwar am Allzeithoch aus der Vorwoche. Schließlich ging es am Montag nur bis auf das Wochenhoch bei 14.131 Zählern, danach legten die Bullen eine Verschnauf- oder auch Kunstpause ein. Und zogen sich erst einmal unter die runde 14.000er-Schwelle zurück. Der Grund:

Das Jahr der Bullen

herzlich willkommen im Jahr des Büffels, wahlweise auch Rindes, Ochsen oder, um im Börsensprech zu bleiben, des Bullen. Beziehungsweise der Bullen, damit die Überschrift auch einen Sinn ergibt. Schließlich feiern wir heute das chinesische Neujahrsfest, und damit den Wechsel vom Ratten- (kein Witz, gibt es in der chinesischen Astrologie wirklich!) zum Bullenjahr. Oder eben Büffel, Ochsen, Sie wissen schon. Glaubt man den Astrologen aus dem Reich der Mitte, steht der wiederkäuende Paarhufer vorrangig für Stärke sowie Ausdauer und gilt als hervorragender Problemlöser. Solch einen Troubleshooter können wir nach dem eher schwierigen Seuchenjahr 2020 bestens gebrauchen, und wenn es nur darum geht, etwas Licht ins Lockdown-Dunkel zu bringen. Denn der [Lockdown] schlägt aufs Gemüt, wie eine Studie des Helmholtz Zentrums München belegt. Zeit also für eine Zeitenwende, wobei die Bullen an den Märkten schon längst das Kommando übernommen haben – oder einfach nur, wie das für die Börse so üblich ist, eine positive Entwicklung vorwegnehmen. Für die Aktienindizes hieß es jedenfalls „auf zu neuen Allzeithochs“, und im Detail sah das dann so aus:

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