Sebastian Affeld

Sebastian Affeld

Alle Jahre wieder

Ach ja, „Alle Jahre wieder“, das klingt so heimelig, so weihnachtlich. Und tatsächlich ist es wieder einmal so weit, der Advent macht seinem Namen alle Ehre (lat. Adventus = Ankunft) und steht direkt vor der Tür. Schön, jedenfalls unter normalen Umständen. „Stade Zeit“, so wird das im bayerischen Sprachraum genannt, wobei „stad“ so viel wie „still“ bedeutet. Still und besinnlich ist hier in diesem Jahr aber gar nichts, und damit meine ich übrigens nicht das Getöse, das meine Rasselbande daheim tagein, tagaus veranstaltet. Ich dachte hierbei eher an die verschiedenen Bühnen, auf denen derzeit allerlei geboten wird. Beispiel Pandemie – das Land surft halsbrecherisch auf der mittlerweile vierten Welle, als ob wir nicht bereits einen harten Coronawinter hinter uns gebracht hätten, und wie bei einem Déjà-vu überschlagen sich die Ereignisse. 3G, 2G, mal plus, mal minus, und am Ende doch wieder Lockdown, erst light, dann immer härter, weil die Zeit einfach davonläuft und das Virus mit immer neuen Varianten einfach den entscheidenden Schritt voraus ist. Neben der I-mpfpflicht wird allerdings auch weiterhin über die I-nflation gestritten:

Nur noch kurz die Welt retten

Zehn Jahre ist das schon wieder her, dass Tim Bendzko, Berliner wie ich, mit dem Song „Nur noch kurz die Welt retten“ den Durchbruch als Singer/Songwriter schaffte. 47 Wochen war das Lied damals in den deutschen Charts, was vermutlich auch am eingängigen Refrain gelegen haben dürfte. Ein Jahrzehnt später passt der Titel zwar immer noch, allerdings hat sich die Gesamtsituation in vielerlei Hinsicht verändert. Ein Virus hält die Welt in Atem und auch auf Trab; mit der vierten Welle erreicht Deutschland weiterhin Spitzenwerte bei den Infektionszahlen, Tendenz leider unvermindert steigend. Von der Eurokrise, die 2011 so richtig Fahrt aufnahm und im Sommer darauf mit Mario Draghis legendärer „Whatever it takes“-Rede auf der Global Investment Conference in London ihren Höhepunkt erreichte, spricht oder schreibt dagegen heute niemand mehr.

G-Scheitert?

So, jetzt ist es passiert. Der gewagte Plan Deutschlands, dem Coronavirus durch eine weitgehende Normalisierung des Alltags die Stirn zu bieten und dabei idealerweise auch gleich den Garaus zu machen, muss als gescheitert betrachtet werden. Unterstützt von der saisonalen Herbst-/Winterstärke und einer zu niedrigen Impfquote breitet sich SARS-CoV-2 wieder flächenbrandartig aus. Mit rund 50.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden und einer Sieben-Tage-Inzidenz von mittlerweile 263,7 meldeten die Gesundheitsämter den fünften neuen Rekordwert in Folge ans Robert-Koch-Institut, kurz RKI. Die vierte Welle ist damit nicht nur die bislang heftigste, sondern auch die gefährlichste. Für das Gesundheitssystem, das in einigen Regionen kurz vor der Belastungsgrenze steht, für die Bevölkerung, die Wirtschaft, und letztendlich auch für die Politik. Da sind die einen nicht mehr und die anderen noch nicht zuständig, und wohin so ein Machtvakuum in so einer Krise führt, sehen wir dieser Tage. „Ein Versagen mit Ansage“ nennt es Jürgen Klöckner in seinem Kommentar im Handelsblatt. Die Zeit zu handeln drängt also, und der Faktor Zeit spielt auch bei unserem nächsten Thema eine nicht unwesentliche Rolle:

Locker war gestern

Jetzt mal ganz ernsthaft – wann haben Sie zum ersten Mal über Ihren CO2-Fußabdruck (und vielleicht sogar über dessen Minimierung) nachgedacht? Für manche scheint das Thema immer noch recht neu zu sein, wie sich gerade auf dem sogenannten Klimagipfel in Glasgow zeigt. Dass die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stattfindende Veranstaltung – immerhin die 26. ihrer Art – pandemiebedingt um ein Jahr verschoben werden musste, macht die Sache dabei nicht besser. Ganz im Gegenteil; Klimaschützer klagen, dass es bislang noch nicht so recht vorangehen mag, der unbedingte Wille zur Veränderung fehle. Wenigstens die Abholzung der Wälder könnte in Zukunft gestoppt werden: über 100 teilnehmende Nationen einigten sich verpflichtend auf das Ende des Raubbaus bis zum Jahr 2030. Das ist jedoch erst in gut acht Jahren, und wenn man weiß, dass in einer Minute eine Fläche von rund 27 Fußballfeldern gerodet wird, beschleicht einen die leise Furcht, der gewählte Zeitpunkt könnte vielleicht zu spät sein. Jerome Powell, seines Zeichens Vorsitzender der US-Notenbank, hatte dagegen ein etwas glücklicheres Händchen, was das Timing angeht:

Durchwachsene Aussichten

Es ist ja eine dieser Regeln, dass – zumeist in der Lebensmitte – der Grundsatz gilt: je mehr Kinder (unter fünf Jahre, um genau zu sein), desto weniger Schlaf. Insofern ist es wenig überraschend, dass mir zuletzt das eine oder das andere Auge gelegentlich (und vorzugsweise untertags) zufiel. Allerdings hatte das in dieser Woche auch Vorteile, denn so war ich in den späten Abendstunden überwiegend hellwach und konnte, quasi aus der ersten Reihe, die Quartalsberichte der ganz Großen miterleben. Denn da gewährten beispielsweise Facebook, Google-Mutter Alphabet, Microsoft, Apple und Amazon einen Blick in die jeweiligen Bücher – mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen beziehungsweise Auswirkungen auf die dazugehörenden Aktien. Beispiel Facebook: Für den Social Media-Giganten und dessen Mastermind Mark Zuckerberg, der zuletzt auch abseits des Parketts unter Druck geriet (hier ein Kommentar dazu aus dem Handelsblatt) und zunehmend gegen einem Imageproblem entgegentreten musste, standen zwar eine Umsatzsteigerung von 33% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und Gewinne in einer Größenordnung von rund 9,2 Milliarden US-Dollar zu Buche. Für die Aktie ging es dennoch abwärts:

Hut ab!

Falls Sie am Mittwoch verhindert waren und das SG Active Trading-Webinar mit meinen hoch geschätzten Kollegen Birgit Klein und Sebastian Hoffmann verpasst haben (den Link zur Aufzeichnung finden Sie hier), dann wird mir die Ehre zuteil, Ihnen heute den Market Mover dieser Woche zu präsentieren. Dabei handelt es sich einmal mehr um den Elektroautobauer Tesla, der sich allmählich echten Legendenstatus erwirbt. Der Börsenüberflieger 2020 – damals ging es für die Aktie über 700% nach oben – setzt auch in der laufenden Saison Maßstäbe. So wurden im Monat September beispielsweise in Deutschland mehr Tesla Model 3 neu zugelassen als Audi A3, BMW 3er und Mercedes C-Klasse zusammen, wie das Handelsblatt berichtete. Auch Lieferkettenprobleme oder Chipmangel perlten an Tesla ab wie Wassertropfen an meiner neuen Regenjacke. Für das dritte Quartal vermeldete Musks E-Autoschmiede neue Rekorde beim Umsatz (+57% auf 13,8 Milliarden US-Dollar) und, weil’s so schön ist, auch gleich beim Gewinn:

Die Spannung steigt

Bevor Sie im Archiv nachschauen und sich anschließend zu Recht beschweren – ja, diese Überschrift hatten wir im Laufe der vergangenen zehn Jahre schon einmal. Mindestens. Aber, und deshalb greife ich heute in die gute alte Überschriften-Mottenkiste, die Spannung steigt tatsächlich. Ist halt so. Und zwar politisch, wirtschaftlich sowie, so viel darf ich an dieser Stelle verraten, auch privat. Im letztgenannten Bereich warten wir auf die Geburt unseres dritten Kindes, das just an meinem runden Geburtstag in der kommenden Woche das Licht der Welt erblicken soll. Auf der politischen Bühne entscheidet sich voraussichtlich am heutigen Freitag, ob den Sondierungen der vergangenen Wochen in den kommenden Tagen ernsthafte Koalitionsverhandlungen folgen. Was eine künftige Ampelregierung aus SPD, FDP und Grünen etwas wahrscheinlicher werden ließe. Bleibt der dritte Schauplatz, womit wir zu den Märkten kommen. Hier (oder besser dort) sind es gleich mehrere Faktoren, die die Anleger in Atem halten. Zum Beispiel:

Down und vorübergehend auch out

„hello literally everyone“ zwitscherte Twitter am frühen Montagabend unserer Zeit in die Welt. Das Besondere daran war das Wörtchen „literally“, also buchstäblich, ins Deutsche übersetzt. Denn die Konkurrenz war zu diesem Zeitpunkt down. Aus die Maus. Nichts ging mehr, bei Facebook, Instagram und WhatsApp. 3,5 Milliarden User*innen waren gut sechs Stunden offline, etwa 25 Milliarden WhatsApp-Nachrichten konnten nicht versendet werden, 125 Millionen Posts blieben bei Instagram stecken und gut 53 Millionen Beiträge verliefen bei Facebook im virtuellen Sande. Grund für den bislang größten Ausfall aller Zeiten war wohl ein Fehler in einer Konfigurationsänderung. Der wog gleich so schwer, dass einem Bericht der New York Times zufolge gleich ein ganzes Team im Rechenzentrum in Santa Barbara anrücken musste, um einen manuellen Reset vorzunehmen. In der Zwischenzeit rauschte die Aktie des Unternehmens in den Keller, rund 40 Milliarden US-Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf. Allein für Facebook-Gründer und Mastermind Mark Zuckerberg stand ein Minus von 6 Milliarden US-Dollar zu Buche. Das dürfte der Multimilliardär angesichts des verbleibenden Vermögens von etwa 122 Milliarden US-Dollar zwar verschmerzen, der Imageverlust könnte Zuckerberg hingegen durchaus noch eine Weile beschäftigen. Und:

Ja da schau her!

Am Dienstag startete die mittlerweile 21. Staffel der ZDF-Vorabendserie „Rosenheim Cops“ mit insgesamt 26 neuen Folgen. Bei den zahlreichen Fans genießt die Krimireihe längst Kultstatus, und im kommenden Jahr feiert das Team um die beiden (aktuellen) Kommissare Stadler und Hansen, Polizeihauptmeister Michi Mohr und die gute Seele Frau Stockl, den 20. Geburtstag und die 500. Folge. Frau Stockl, gespielt von Marisa Burger, eröffnet die Handlung zumeist mit dem legendären „Herr (Name des diensthabenden Kommissars), es gabat a Leich!“, was übersetzt so viel wie „es gibt eine(n) Tote(n)“ bedeutet. Mindestens genauso legendär war der 2020 verstorbene Joseph Hannesschläger in seiner Rolle als Kommissar Korbinian Hofer, der bei seinen Ermittlungen gerne ein vielsagendes „Ja da schau her!“ einfließen ließ. Und ein ebensolches entfuhr mir bei Bekanntgabe der Wahlergebnisse am späten Sonntagabend. Knapper geht ja wohl nicht, vor allem im Bund, aber auch in meiner Heimatstadt Berlin.

Bloß kein „Weiter so“!

wer jetzt, angesichts der plakativen Überschrift, ein flammendes Plädoyer für einen baldigen Regierungswechsel erwartet, den/die muss ich leider sogleich enttäuschen. Ich habe meine (Brief-)Wahl schon längst getroffen und kann das mutmaßliche Spektakel übermorgen in aller Ruhe und Gelassenheit am Bildschirm verfolgen. Mein provokantes „Weiter so“ bezog sich auch eher auf die Notenbanken. Vor zwei Tagen tagte die Fed und tat sich wieder einmal ausgesprochen schwer, einen Lösungsansatz für die nötige Korrektur der expansiven Geldpolitik zu entwickeln. Immerhin zeigten sich die Währungshüter dann doch mehr als Falke statt als Taube, denn die Reduzierung der milliardenschweren Anleihekäufe wurde zumindest angekündigt bzw. angedeutet und könnte (wenn es im Großen und Ganzen bei der aktuellen Situation bleibt, wie Fed-Chef Powell so schön sagte) schon auf der nächsten Sitzung eingeleitet werden. Und auch den ersten Zinsschritt erwarten die Notenbanker nun bereits im kommenden Jahr. Zunächst fließt die Flut des billigen Geldes aber unvermindert weiter – völlig verrückt und gegen jede Lehrmeinung. „Aber es deutet vieles darauf hin, dass das Verrückte einstweilen als normal angesehen werden muss.“, wie es Tobias Straumann schon im Februar in einem Kommentar in der NZZ formulierte. Die Märkte jedenfalls haben sich längst an das neue Normal gewöhnt:

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