Gegenbewegung dringend erforderlich

Am 12. Juni schrieben wir im Market Mover „noch sind sich die Experten uneins, aber gerade deshalb kann sie nicht ausgeschlossen werden, die zweite Welle. Das gilt sowohl für die Corona-Pandemie, in der die kommenden Wochen und Monate erst noch zeigen müssen, wieviel Lockerung Europa verträgt, aus epidemiologischer Sicht. Als auch, und damit kriegen wir auch sogleich die Kurve hin zu unserem eigentlichen Thema, für die Aktienmärkte. Denn da droht latent ebenfalls eine zweite (Abwärts-)Welle.“ Zumindest im ersten Punkt sind die Experten mittlerweile zur Gänze einer Meinung, denn die zweite SarsCoV2-Welle ist nicht nur da, sondern auch gerade dabei, über uns zu schwappen. Kein besonders schönes Wort, das gebe ich wohl zu, aber „…uns fortzuspülen“ fand ich auch nicht besser, zumal das einen eher negativen Ausgang der Geschichte impliziert, und soweit wollen wir heute nun wirklich noch nicht gehen. Dennoch ist die Lage „sehr ernst“, um RKI-Chef Wieler zu zitieren, und das gilt ein Stück weit auch für die Märkte:

Rot in allen Schattierungen

es ist wieder einmal soweit – das Jugendwort des Jahres ist gekürt! Nach dem 2018er-Titelträger „Ehrenmann (beziehungsweise -frau)“ – im Jahr 2019 fand wegen der Übernahme des Markennamens „Langenscheidt“ durch die Klett-Gruppe bzw. den dazugehörenden Pons-Verlag keine Abstimmung statt – geht der Preis diesmal an den Begriff „Lost“. Oder besser „lost“, als Adjektiv gilt hier üblicherweise die Kleinschreibung. Gemeint ist damit jemand, der/die im weiteren Sinn verwirrt, verpeilt oder gleich komplett ahnungslos ist, eben „lost“. Auf die Aufzählung prominenter Beispiele verzichten wir an dieser Stelle und wenden uns stattdessen, krasser Themenwechsel, der aktuellen Viruslage in unserem Land zu. Da bietet beispielsweise n-tv.de eine interaktive Deutschlandkarte an, in der die jeweiligen 7-Tage-Inzidenzen (unser Vorschlag für das Unwort des Jahres 2020!) aller Stadt- und Landkreise erfasst sind. Diese Karte färbt sich zunehmend rot, und zwar in allen Schattierungen. Womit einerseits die Überschrift erklärt und andererseits die Überleitung zu den Märkten einigermaßen geglückt wäre, denn auch da leuchtete es rot auf:

Bitte bleiben Sie ernst!

Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man fast darüber lachen, so sehr ist der US-amerikanische Präsidentschaftswahlkampf ins Komödiantische abgeglitten. Der Präsident salutiert, untermalt von orchestralen Klängen, auf dem Balkon des Weißen Hauses und der Vize kommt mit Fliege zum Duell, wortwörtlich gemeint. Dabei sind die Protagonisten weiterhin überwiegend mit sich und ihrer Darstellung beschäftigt, das dringend anstehende nächste Konjunkturpaket wurde dagegen kurzerhand vom Chef persönlich auf einen noch näher zu bestimmenden Zeitpunkt nach der Wahl verschoben. An deren Sieg Trump jetzt, nachdem er selbst das Virus in die nicht vorhandenen Knie gezwungen hat, zumindest offiziell keinen einzigen Zweifel mehr hegt. Und die Märkte?

Man muss auch gönnen können!

Für den FC Bayern München endete am vergangenen Sonntagabend eine eindrucksvolle Serie. Mit der ersten Niederlage seit dem 7. Dezember 2019 – damals rutschten die Münchener gegen die Borussia aus Mönchengladbach mit 1:2 aus – kassierte der FCB die erste Pleite im Jahr 2020. Schon ein paar Tage später waren Kimmich & Co. jedoch wieder obenauf und entschieden den Super-Cup gegen den BVB für sich. Doch die Überleitung zu den Märkten ist dennoch gelungen, schließlich endete mit dem September auch für die Aktienindizes eine nette Serie. Fünf Monate in Folge konnten Dax und Konsorten im Gewinn beenden, bevor die Nummer 9 auf dem Kalenderblatt kurzen Prozess mit den Kursen machte. Denn:

Neue Woche, neues Glück?!

"Neue Woche, neues Glück", so dachten wir zumindest noch am frühen Montagmorgen – bevor die Märkte unter dem Verkaufsdruck nachgaben und in sich zusammenfielen. Dabei war es nicht die EINE Meldung, die den Kursen den Garaus machte, sondern eher eine Art Schwächeanfall, eine Kapitulation vor der möglichen zweiten Pandemiewelle, die angesichts rapide steigender Fallzahlen immer wahrscheinlicher wird. Oder etwa doch nicht? Schließlich versuchten sich die Märkte in den Folgetagen an einer Erholung; frei nach dem Motto „alles halb so wild“ kletterte der deutsche Leitindex vom zwischenzeitlichen Wochen- (und übrigens auch Monats-!)tief bei 12.505 Punkten wieder nach oben. Wobei die längere obere Lunte am Mittwoch (Tageshoch bei 12.831 Zählern, im Anschluss gab der DAX die zwischenzeitlichen Gewinne wieder ab) schon ahnen ließ, was am nächsten Tag folgen würde:

Das war die Woche!

Beim ersten, flüchtigen Blick auf den DAX-Stand hatten wir, um ganz ehrlich zu sein, in der gestrigen Redaktionsschalte kurz die Intention, die heutige Ausgabe einfach mal ausfallen zu lassen. Denn der deutsche Leitindex verabschiedete sich bei exakt 13.208 Punkten in den Donnerstagabend, damit war auf Wochensicht quasi nichts passiert. Und das ist nun einmal, Chronistenpflicht hin oder her, die schlechtestmögliche Variante, um daraus beziehungsweise darum herum ein halbwegs unterhaltsames, gleichzeitig aber auch informatives Editorial zu zaubern. Doch halt – bei näherer Betrachtung respektive nach intensivem Nachdenken fielen uns doch noch zwei Market Mover ein, die in der gerade abgelaufenen Handelswoche für Schlagzeilen und Kursausschläge sorgten. Vorhang auf:

Ja? Nein? Vielleicht!

In der vergangenen Woche bzw. Ausgabe fragten wir in der Überschrift noch „Stolperfalle Tech-Werte?“ und wären zu Beginn dieser Handelswoche (die für die US-Märkte feiertagsbedingt ohnehin erst am Dienstag begann) noch geneigt gewesen, mit einem klaren „Ja!“ zu antworten. Schließlich wurden die Tech-Werte geradezu heruntergeprügelt. Für den Nasdaq 100, das „Fieberthermometer der Tech-Branche“, ging es im Tief bis auf 11.055 Punkte, nachdem drei Tage zuvor noch die neueste Bestmarke bei 12.439 Zählern beklatscht werden konnte. Der temporäre Kursrückgang von 11% im Tech-Index wirkt aber nachgerade harmlos, wenn wir uns den entsprechenden Verlauf bei Tesla zum direkten Vergleich betrachten:

Stolperfalle Tech-Werte?

Kaum zu glauben, aber wahr: der DAX nahm zuletzt doch tatsächlich Kurs auf das bisherige Allzeithoch vom 17. Februar bei 13.795 Punkten! Dabei hatten die Kurse vor nicht einmal einem halben Jahr (konkret: am 18. März) den heftigsten Einbruch (größter Verlust binnen vier Wochen) in der Geschichte erlitten und waren auf das Corona-Tief bei 8.256 Zählern gekracht, womit die Bezeichnung „Crash“ eine neue Bedeutung erhielt! Was folgte, war eine der größten Aufholjagden überhaupt, denn die deutschen Blue Chips legten fünf Monate hintereinander zu (längste Serie seit Mai 2017, damals reichte es für sechs Gewinner in Folge und ein Plus von 18,6%) und sattelten dabei 30,3% auf. Und:

Warum neu nicht immer besser ist!

Der Dow Jones Industrial Average gilt dank seiner mittlerweile 124 Jahre währenden Historie als Dinosaurier unter den Börsenbarometern. Das ist nur in Teilen liebevoll gemeint, denn wenig zeitgemäß wirkt auch die Zusammensetzung der US-amerikanischen Blue Chips. Immerhin, Apple und Microsoft sind drin, aber amazon.com oder Facebook, Alphabet oder Tesla? Fehlanzeige! Stattdessen kann sich der Ölkonzern Exxon Mobil über 92 Jahre Mitgliedschaft im Dow Jones freuen. Allerdings nur noch bis Montag, denn der Oldie muss seinen Altersruhesitz im US-Leitindex räumen. Der Nachrücker kommt aus der Tech-Branche und hat gerade (konkret: am Mittwoch) einen rekordverdächtigen Tagesgewinn von 26% über die Ziellinie gebracht. Kurstreiber war dabei nicht allein der Aufstieg in die erste Börsenliga, sondern vor allem das überragende Zahlenwerk, das eines der stärksten Quartalsergebnisse der Unternehmensgeschichte auswies. Wobei der besagte Aufstieg wiederum einen ganz anderen Grund hatte:

Market Mover - Geht doch!

Wir sind wieder wer, also wir Fußball-Deutschen! Denn der Gewinner der diesjährigen Champions-League wird so oder so ein Deutscher sein. Jedenfalls was den Trainer angeht. Mit Thomas Tuchel, der das ebenso hochpreisige wie -karätige Star-Ensemble von Paris St. Germain (kurz: PSG) und Hans-Dieter (kurz Hansi) Flick, dem Zunächst-Interims-und-jetzt-völlig-zu-Recht-Cheftrainer des FC Bayern München (kurz FCB) stehen sich am Sonntag (Anpfiff 21.00 Uhr) schließlich zwei deutsche Coachs gegenüber. Und somit kurz davor, die Nachfolge von Vorjahressieger Jürgen Klopp anzutreten. Apropos Nachfolger:

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