Wir haben ein Lieferkettenproblem! Das legen zumindest die Meldungen in den einschlägigen On- und Offline-Medien nahe, und auch beim Supermarkt um die Ecke ist das ein oder andere Regal in letzter Zeit eher übersichtlich sortiert. „Lieferengpässe bremsen Industrie und treiben Preise“ heißt es deshalb auch in einem Dossier des Statistischen Bundesamtes, verbunden mit dem Hinweis, dass in der Industrie die Nachfrage das Angebot derzeit übersteigt. Dazu passend sind die Gewinne der DAX-Konzerne 2021 mit den bereits kolportierten 115 Milliarden Euro auf eine neue Rekordmarke geklettert. Dabei hat sich die Profitabilität mehr als verdoppelt, wie das Handelsblatt berichtet – schließlich sind die Umsätze lediglich um 10% gestiegen, während die bereits erwähnten Gewinne unglaubliche 170% zulegen konnten. Ob diese irre Performance 2022 wiederholt werden kann, darf oder muss jedoch, Stand heute, erst einmal bezweifelt werden. Das sehen auch die Unternehmen selbst so, denn in dieser Berichtssaison gab es bislang noch nicht allzu viele rosige Ausblicke. Wie sehr das einen Aktienkurs beeinflussen kann, hat sich in dieser Woche bei Delivery Hero gezeigt:
From Hero to Zero?
Börsengang im Juni 2017, Einstieg in den SDAX kaum ein Vierteljahr später, Aufstieg in den MDAX im darauffolgenden Jahr und die Aufnahme in den DAX im September 2020 (übrigens als Nachrücker für den krachend gescheiterten Wirecard-Konzern, der zwar im Juni schon Insolvenz anmelden, den deutschen Leitindex aber erst Ende August verlassen musste) – die Erfolgsgeschichte von Delivery Hero liest sich zunächst wie ein Märchen. Und das, obwohl die Lieferdienst-Plattform (als typischer Wachstumswert) stets rote Zahlen schrieb; ein Kritikpunkt, der bei der großen DAX-Reform 2021 dann tatsächlich Berücksichtigung fand. Für den in Berlin ansässigen, in Deutschland aber nicht aktiven Konzern wurde das heikle Thema „rote Zahlen“ jetzt zum realen Alptraum. Nach Vorlage der Zahlen zeigte sich Delivery Hero beim Ausblick auf 2022 deutlich vorsichtiger. Das schmeckte den Anlegern überhaupt nicht, die Aktie stürzte über 30% in die Tiefe und krachte auf den niedrigsten Stand seit Herbst 2019. Autsch! Doch auch die Märkte selbst bleiben in Bewegung:
Auf und nieder, immer wieder
Nachdem sich die geopolitische Lage zur Wochenmitte etwas zu entspannen schien, erholten sich die Aktienmärkte zunächst deutlich; im Dow Jones ging es am Mittwoch sogar bis auf das (bisherige) Wochenhoch bei 35.819 Punkten. Der DAX markierte dagegen erst am gestrigen Donnerstag bei 15.614 Zählern den bislang höchsten Stand der Woche. Für beide Indizes ging es nach Bekanntgabe der jüngsten Verbraucherzahlen aus den USA (+7,5% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) jedoch erneut nach unten. Die Schaukelbörsen bleiben uns also scheinbar erhalten, sodass auch die Kursziele im deutschen Leitindex unverändert Bestand haben – als Unterstützung gelten weiterhin die Chartmarken bei 15.000 und 14.800 Punkten, während nach oben im ersten Schritt die 200- sowie die 100-Tage-Linie (15.620 bzw. 15.636) und anschließend auch der Bremsbereich bei 15.800/16.000 Zähler geknackt werden müssten, um einen Angriff auf die horizontale Eindämmungslinie am amtierenden Allzeithoch bei 16.290 überhaupt zu ermöglichen. Wie die Chancen dafür stehen und ob die aktuellen Kurslevels schon wieder für den Einstieg genutzt werden können, haben meine geschätzten Kollegen im SG Active Trading Webinar am Mittwoch diskutiert – wer die Veranstaltung verpasst hat, findet hier den Link zur Aufzeichnung!
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Dipl.-Volkswirt, Full-Stack Engineer, Hobbytischler